„Man muß jedem Hindernis Geduld, Beharrlichkeit und
eine sanfte Stimme entgegenstellen.“

Thomas Jefferson

November 2017

Verbindlichkeit - eine unzeitgemäße Tugend

Unverbindlichkeit beeinflusst und bestimmt unseren Alltag mehr als wir wahrnehmen. Eine gewisse Orientierungslosigkeit und gesteigerte Mobilität scheinen Verbindlichkeit außer Kraft zu setzen. Dafür gilt die Devise: Anschlussoptionen maximieren.

Wer weiß schon was der nächste Tag von einem verlangt. Also sei unverbindlich. Es war auch noch nie schwieriger sich zu entscheiden. Und selbst wenn wir uns dann entscheiden ist es nur vorläufig, immer bereit, sich zu revidieren, weil man sich ja an die schnell veränderten Gegebenheiten anpassen will.

Auch Sitten und Tabus haben eine gewisse Verbindlichkeit.

Verfallen Sitten und werden über die Medien ständig neue Tabubrücken zur Schau gestellt, leidet auch der Wert Verbindlichkeit, zumindest erscheint dieser Wert als altmodisch. Dies alles (u.v.m.) habe ich im Buch „Verbindlichkeit", von Maximilian Probst gelesen. Die Zeilen haben mich berührt und angestoßen und auch ich bin der Meinung, es braucht ein

„Plädoyer für die Verbindlichkeit"

Mein Sohn (16 ½) ist momentan eine dieser unverbindlichen Personen. Und das scheint in seinem Umfeld nicht wirklich ein Problem zu sein, denn alle seine Freunde sind unverbindlich,  z. B. wenn es um Verabredungen geht. Wenn man nachfragt, wer alles zur Party kommt, dann heißt es: „Ach, Zusagen-Absagen, das ist peinlich, wer kommt, der kommt. Das machen alle so". Die meisten Worte innerhalb der Kommunikation mit meinem Teenager sind: „Warte mal" und „Nicht jetzt", „Entspann Dich" höre ich so oft wie „Später". Selbst wenn verpasste Chancen drohen, scheint man nicht für den nächsten Tag zu planen.

Ich sage dazu: „Generation Maybe"

Sich nicht festlegen, sich nur vage äußern. Wenn Aussagen getroffen werden, dann oft anonym oder so formuliert, dass keine Verantwortung übernommen werden muss. Nicht zu einer Meinung und schon gar nicht zu etwas Gesagtem stehen. Resultierend aus den sozialen Netzwerken? Nur ein Teenager-Thema? Sicher nicht!

„Maybe's" erleben wir täglich.

Einer aus meinem persönlichen Bekanntenkreis reserviert für den Abend gleich in drei Lokalen einen Tisch für sich und seine Freunde. Man möchte nach dem Theater noch nett etwas essen gehen. Aber man möchte sich erst nach der Vorstellung entscheiden, auf was man Lust hat. Wird eine vierte Option gewählt, denkt keiner daran, dass drei Gastronomen je einen Tisch freihalten.

Mein Klient, ein Autohaus, lädt Kunden zu einer Veranstaltung ein. Zusagen kommen, aber sie bedeuten nicht zwangsläufig, dass man auch kommt, sondern lediglich die Einladung registrierte. Die Entscheidung, ob man ihr folgt wird erst dann getroffen, wenn klar ist, dass es keine andere, sprich bessere Abendveranstaltung geben wird.

Mich mit meinem Teenager zu Hause zu verabreden ist eine Herausforderung. Selbst die einfache Frage am Morgen: „Was kochen wir heute Abend?", ist nicht zu klären. Weil er ja noch gar nicht wissen kann, nach was ihm ist und wo er dann letztlich sein wird.

Unterstützung erfährt man von seinem Smartphone, denn man muss sich nicht schon lange vorher für etwas entscheiden, alles passiert in Echtzeit und zahlreiche Optionen sind sofort möglich. Man wartet einfach, bis eine noch bessere Option kommt, für die man sich aber auch nicht entscheiden muss. Alles ist im Flow.

Es kostet Willenskraft, sich aus 1.000 Möglichkeiten nur eine heraus zu picken und sich somit gegen alles andere zu sperren. Das ist ein komisches Gefühl.

August 2017

La dolce vita, schmeckt mit einem Lächeln noch besser

Meine Assistentin schilderte mir eine Begegnung der „italienischen Art".

Sie stand vor einer italienischen Eisdiele in einer langen Schlage. Das Warten auf die kühle Köstlichkeit brauchte Zeit, denn viele hatten bei sengender Mittagssonne dieselbe Idee. Beim allmählichen Vorrücken bemerkte sie eine Touristin, wohl aus dem Land des Lächelns.

Die Asiatin winkte per Geste einen Wartenden nach dem andern vor. Offensichtlich brauchte sie mehr Zeit als die Deutsche Kundschaft. Mit einer sprichwörtlichen, asiatischen Ruhe befasste sie sich mit der Vielzahl der Eissorten in der Kühlvitrine und der dazugehörenden Namensschildchen.

Keiner in der Schlage schien von der kleinen Szenerie berührt, lediglich die Gelataia zeigte unmissverständlich eine genervte Miene. Die Touristin tat sich in ihrer Entscheidung immer noch schwer, zeigte aber schließlich auf die Sorte „Salziges Karamell".

Die Italienerin fragte erstaunt nach, schien an der Antwort jedoch nicht interessiert und portionierte im selben Atemzug flott und geschickt die Kugel Karamell mit Meersalz in die Waffeltüte. Da konnte sich meine Assistentin nicht länger zurückhalten und fragte die Verkäuferin, ob sie der Kundin diese spezielle Geschmacksrichtung nicht erklären wolle. Das wollte sie nicht und wartete ungeduldig auf die Bezahlung mit der typischen „pagare"- Geste.

Somit sprach sie selbst kurzentschlossen die Asiatin auf Englisch an. Es brauchte auch nicht mehr als die Übersetzung der Eiskreation „Saltet Caramel".              Die Touristin dankte ihr herzlich und sofort war klar, dass sie ein gesalzenes Eis nicht essen mochte. Per Handzeichen gab sie der noch genervteren Verkäuferin freundlich zu verstehen, dass sie ablehne und sich gerne umentscheiden wolle.

Problem war nur, die Kugel war bereits portioniert und die Gelataia nicht willens diese zurück zu tun, italienisch fluchend ließ sie keinen Zweifel aufkommen, was sie von der Situation hielt.

Sie bestand darauf, dass die Touristin dieses Eis nun abnehme und endlich Platz für den nächsten in der Schlange mache, nämlich meine Assistentin.

Diese konnte dieses Verhalten nicht durchgehen lassen. Auf Italienisch dankte sie der Verkäuferin für ihre „freundlichen Worte" und lies sie dann wissen, dass ihre Art so nicht akzeptabel sei. Sie müsse doch ein gewisses Gespür – vor allem bei offensichtlich fremden Menschen – haben. Nachsicht und Toleranz würde doch im Kleinen anfangen. Wenn es an einem sonnigen Sommertag an einer Kugel salzigen Eissorte scheitere, wie will man da die wirklich wichtigen Dinge angehen.

Das Statement zeigte Wirkung. Nach einem kurzen Moment des Innehaltens lenkte die genervte Eisverkäuferin ein. Die Asiatin lächelte ohnehin (und hat sicher nichts vom kleinen Wortwechsel verstanden). Sie wählte Mango und „Pingui", was dann auch für einen allgemeinen Lacher wegen der komplexeren Übersetzung sorgte. Dies entlockte sogar der Verkäuferin ein kleines Lächeln.

Mai 2017

Nur das Wort „nur"!

Als ich mich auf den Impulsvortrag „Corporate Behaviour (siehe April 2017) vorbereitet habe, bin ich auf eine Initiative gestoßen, auf die mich eine gute Freundin aus Österreich aufmerksam machte. Sie hat ein Hotel und ist per Job ein „Profi-Gastgeber" und darüber hinaus eine große Verfechterin von wertschätzendem Umgang mit Mitarbeitern. Ohne den respektvollen und wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitern haben es Gastgeber in Sachen Glaubwürdigkeit schwer.

Sie ärgert sich über Hotelierkollegen, die über ihre Mitarbeiter in unscheinbarerer Art recht geringschätzend sprechen, in dem sie das Wort „nur" vorstellen. Er ist nur der Topfspüler; er kann nur Kellnern; sie hat es nur zum Zimmermädchen gebracht; sie ist nur eine Putzfrau; usw.

Diese subtile Art der Geringschätzung lässt sich auch an andern Orten ausmachen. Deren Sohn hat nur die Hauptschule besucht; die Tochter ist nur Kassiererin; die Nachbarn machen nur Urlaub zu Hause; er fährt nur den und den Pkw.

Selbstverständlich verbieten uns die guten Manieren derartige Aussagen verbal auszusprechen. Selbst wenn das Wörtchen „nur" in Andeutung unserer Gedanken aufploppt, hat es eine zerstörerische Kraft andere herunterzumachen. So kann man – ohne nachzudenken - nur mit dem Wort „nur" vergessen, dass jeder auf dieser Welt irgendetwas sehr viel besser kann, als man es selbst könnte.

Wir sollten andere nicht nach unserem eigenen Wertesystem beurteilen, sondern durch Fragen herausfinden, wo deren speziellen Fähigkeiten und Interessen liegen. Netzwerke innerhalb gleicher Fähigkeiten sind nicht besonders effektiv, zumindest dann, wenn – wie so oft - unter Gleichgesinnten die Überlegenheitsgefühle unnötig Kraft kosten.

Nur wenn wir es schaffen, dass wir die eigenen Schwächen mit den Stärken anderer ausgleichen, können wir voneinander profitieren.

April 2017 

„Corporate Behaviour: Realität und Werbeversprechen sind sehr oft zwei Paar Schuhe".

Impulsvortrag von Michael Kugel für den Wirtschaftsrat Deutschland

Gleichen sich Produkte und Dienstleistungen an und werden diese austauschbar in Preis und Qualität – orientieren sich Kunden am Verhalten der Mitarbeiter. Von daher sind gute Umgangsformen im Geschäftsleben wichtiger denn je. Vor allem, wenn Kunden die Wahl haben.

Wie es sein sollte, das wissen die meisten Unternehmer ganz genau, weil sie die Versprechen, die sie in ihren Hochglanzbroschüren, Internetauftritten und PR-Kampagnen geben, in der Regel ganz bewussten Überlegungen entsprungen sind.

Über das Erscheinungsbild des CI's erhalten Kunden die Botschaft, dass sie beispielsweise gut beraten und betreut werden. Gesagt – aber noch nicht getan! Wenn sich der Kundenwunsch verändert, dann werden die PR-Maßnahmen angepasst. Das geht auch wesentlich schneller, als die Verhaltensweisen von Mitarbeitern so zu beeinflussen, oder zu verändern, dass sie möglichst gut zur unverwechselbaren Unternehmensidentität passen.

Das CI muss stimmig sein, das ist nichts Neues. Ob Ihr Image (was Ihre Kunden über sie sagen oder denken sollen), Ihr Erscheinungsbild (Farbe, Schriftzug, Einrichtung ist kein Zufall), die Kommunikation (wann sagen Sie was welcher Zielgruppe und mit welchen Medien) ist alles langfristig und teuer erarbeitet, vielleicht auch aus traditionellen Strukturen gewachsen.

Unglaublich, dass der Mitarbeiter in vielen Unternehmen hierzu nicht im Fokus steht. Obwohl die Belegschaft im Kontext zum CI steht – und genau dazu passen muss.

Das trifft intern wie extern im gleichen Maße zu. Extern nicht nur mit dem Blick auf Kunden, sondern auch zum Lieferanten und allen anderen, die -warum auch immer- ins Unternehmen kommen.

Schlechte Umgangsformen und Verhaltensweisen lassen sich nicht vertuschen. Die Rückkoppelung schlägt prompt zu. Soziale Netzwerke und Beurteilungsforen tun ihr Übriges dazu.

Unternehmensbenehmen nachhaltig verbessern, oder den CI anzupassen, das ist die große Herausforderung für Inhaber, Chefs und Führungskräfte.

Auf Worte müssen Taten folgen.

Weisen Sie Ihre Mitarbeiter an, sich entsprechend zu Verhalten, sich so zu kleiden, dass es Ihnen gefällt. Geben Sie den Rahmen vor und führen Sie eine Ist-Soll-Analyse zu dem, was am schönsten zum CI passt durch.

Ja, Sie können vom Mitarbeiter verlangen, dass er Anzug trägt und den Kunden grüßt. Das heißt aber noch lange nicht, dass er die Firmenphilosophie (die irgendwann mal niedergeschrieben wurde), auch verinnerlicht hat. Am besten Sie entwickeln das Corporate Behaviour gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern. Dabei können Sie Mentalitäten berücksichtigen und Persönlichkeitsrechte wahren. Idealerweise unterstützt Sie zudem ein externer Berater bei der Umsetzung.

Alles gute Ideen, die Ihnen jedoch nicht wirklich helfen. Zum einen, weil Ihre Mitarbeiter die Firmenidentität nicht kennen oder  nicht mehr in Erinnerung haben (weil schon viel zu lange her) und/oder weil sie niemals zu Ihrem CI befragt wurden, dieses nicht verinnerlicht haben.

Alle Bestrebungen nützen auch nichts, wenn Führungskräfte ihre Schlüsselfigur nicht erkennen. Wenn ein Verhaltenscodex vereinbart wird, Führungskräfte inkl. der Ranghöchsten Chefs sich jedoch nicht daran halten.

Wenn Sie wirklich etwas verändern wollen, dann brauchen Sie viel Zeit. Zudem einen Plan, welche Bereiche alle Ihre Hochglanz-Versprechen berühren und beeinflussen.

Verbindliches Auftreten, eine wertschätzende Kommunikation, der passende Dresscode, eine konstruktive Meeting,- Gesprächs- und Fehlerkultur sind hier nur die Dinge, an die man als Erstes denken mag. Das Feld ist jedoch viel größer.

Flirten und Freundschaften am Arbeitsplatz, Ordnung und Sauberkeit, Tischmanieren, Parkettsicherheit, Repräsentations-Aufgaben außerhalb der Firma, das „Mit- oder Gegeneinander" sind ebenfalls wichtige Punkte, die sehr stark das Arbeitsklima und die Leistungen Ihrer Mitarbeiter beeinflussen.

Verhaltensweisen sind oft auch verschieden, auch weil MA es nicht besser wissen. Dinge wie Grüßen, Begrüßen, Handschlag, Vorstellen, Smart-Talk, Tischsitten, Kavaliersgesten sind heute keine Dinge mehr, die automatisch im Elternhaus vermittelt werden. Je jünger eine Belegschaft ist, umso mehr Defizite kann es dabei geben, Führungskräfte eingeschlossen.

Dabei das richtige Maß zu finden ist nicht einfach. Es ist immer auch eine Balance zwischen zuviel und zu wenig. Laufen lassen kann man es aber in gar keinem Fall. Und darauf hoffen, dass sich das Corporate Behaviour von ganz alleine löst, ist zwar bequem – kommt jedoch dem „Kopf in den Sand stecken" gleich.

In der Regel sind Mitarbeiter dankbar, wenn sie Orientierung bekommen. Wenn Mitarbeiter an Konzepten mitwirken können und davon überzeugt sind, läuft es am besten.

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Februar 2017

Braucht es einen Dresscode an Schulen?

Die Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de/lernen/projekte/schuelerwettbewerb/) bietet ein Schulprojekt zum Thema "Dresscode an Schulen". In diesem Rahmen erreichten mich als Knigge-Experte einige Anfragen von Schulen, die an diesem Schülerwettbewerb teilnehmen. Das Projekt finde ich sehr interessant und bin heute schon gespannt, wie dieses abgeschlossen wird und zu welchen Ergebnissen oder Erkenntnissen die teilnehmenden Schulen kommen werden.

Nachfolgend einige Fragen, die z. B. aus der Graf-Anton-Günther Schule (Gymnasium) in Oldenburg gestellt wurden.

Klasse 10D: Warum ist Kleidung überhaupt wichtig?

Michael Kugel: Zunächst soll Kleidung uns schützen und wärmen. Kleidung ist aber auch Integration, denn ganz selbstverständlich drückt Kleidung auch non verbal aus, WER wir sind und WO wir dazugehören. Natürlich zeigt sie auch für WAS eine Person steht und vielleicht auch ein Stückweit WIE es dieser Person geht. Ebenso was eine Person kann (s. Berufskleidung).

Stellen wir uns vor, dass ein Mann in der Steinzeit ein Fell eines Säbelzahntigers trägt. Was denken die anderen von ihm? Stärke, Mut, Kraft. Frauen könnten darin den Vater ihrer Kinder sehen, weil so ein Mann die Sippe sicher beschützen kann.

Ein Mann im Hasenfell drückt andere Attribute aus. Vielleicht erscheint er nicht so mutig, lebt jedoch womöglich länger, weil er Risiko vermeidet und sich nicht jeder gefährlichen Herausforderung stellt. Für die Frau auch eine wichtige Option der Partnerwahl, weil dieser Mann vermutlich eher beim Nachwuchs, bis dieser sozusagen aus dem Gröbsten raus ist, bleibt.

Der berühmte Satz "Wir können nicht nicht wirken" hat neben Körpersprache auch maßgeblich mit unserer 2. Haut zu tun. Wir senden Botschaften, mit dem was wir tragen und wie wir es tragen. Wir zeigen, wie viel wir uns selbst Wert sind und wie wir von anderen gesehen werden (wollen). Farbe kommt zusätzlich ins Spiel. Farben wirken, sind emotional. Farben können eine Person in ihrer Wirkung unterstützen, erfolgreicher oder "unsichtbar/-scheinbar" machen.

Klasse 10D: Welche Kleidungsstücke finden Sie unangebracht?

Michael Kugel: "Kleider machen Leute" und der "Der Anlass/die Gesellschaft bestimmt den Dresscode". Kleidung ist immer dann unangebracht, wenn diese nicht in das jeweilige soziale Umfeld passt und/oder den Erwartungshaltungen des Umfeldes nicht entspricht. Adolf Freiherr von Knigge hat 1788 schon gesagt: "Wer die Gesellschaft nicht entbehren kann, soll sich ihren Gebräuchen unterwerfen, weil sie mächtiger ist als er". Das ist heute noch genauso. Wer abhängig von andern ist, muss ihnen gefallen.

Beispiel: Knallrotes Kleid auf einer Trauerfeier; schmutziger, zerrissener und verschwitzter Gartenlook in einer Hochzeitsgesellschaft; in konservativen und formalen Gesellschaften (z. B. im Business, in der Politik) ein bunt-lustiges Hawaii-Hemd und barfuß in Sandalen;  ein Arzt, dem die Farbe Weiß nicht gefällt und lieber graue Kittel trägt; ein Monteur, der zum Reparieren der Waschmaschine im Armani-Anzug erscheint.......da gibt es 1.000 weitere Beispiele.

Kleidung hat auch etwas mit Respekt zu tun. Mangelnder Respekt (am Umfeld/für den Anlass) ist häufig die Ursache, warum wir Kleidung unangebracht finden. Wenn es in Sachen Berufskleidung zu Irritationen kommt, hat Kleidung ihr Ziel verfehlt. Ausnahmen sind vielleicht Künstler, bei denen man Konfrontation, Extravaganz oder Provokation erwartet.

Klasse 10D: Sie sind Knigge-Experte. Haben Sie schon einige Schüler auf unangemessene Kleidung hinweisen müssen?

Michael Kugel: Ja, dabei ging es um eine Kappe, die ein Schüler im Klassenzimmer nicht abnehmen wollte. Ich habe ihm erklärt, wo diese Sitte herkommt und warum viele Menschen (vor allem Erwachsene) diese "Kleidersprache" befremdend finden. Danach war es kein Problem mehr. (Es kommt aus der Ritterzeit. Den Helm abnehmen heißt: Ich mach mich schutzlos und vertraue Dir, dass Du mir nichts tust. Ich komme in Frieden und habe keine bösen Absichten.)

Klasse 10D: Hat sich das Bewusstsein für Stil in den letzten Jahren verändert?

Wenn Stil = Mode ist, dann ja. Mode (nicht jede) ist (leider) nicht immer der "Beste Berater" und Mode war auch noch nie wirklich daran interessiert, dass Menschen gut gekleidet sind. Mode will (heute mehr denn je) in erster Linie Geld verdienen, deshalb wechselt sie 2 x im Jahr. In "satten Gesellschaften", sprich in gesättigten Märkten, kann sie das am besten mit "Sex". Und Hand aufs Herz: wer will nicht begehrenswert für seine Mitmenschen sein?  Ein weiterer Punkt ist der Preis. Kleidung muss für viele Menschen heute preiswert (billig) sein. Qualität spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die Kleidung hat heute (im Vergleich zu früher) keinen bedeutenden Wert mehr. Der Konsum ist wichtig. Lieber öfter was Neues, als über Jahre das Gleiche tragen. Der sinkende Wert wird dann durch Marken-Labels kompensiert.

Stil, guter Stil, klassischer Stil (z.B. klassische Schnitte: Kostüm, Anzug, Hemd, usw.) in entsprechender Qualität, hatte immer schon seine Anhänger und dies wird mit Sicherheit auch in Zukunft so bleiben. Wie klassische Musik eben auch oder eine schöne, klassische Hausfassade vergangener Epochen, antike Säulen vor einem Tempel....... Was von den Proportionen stimmig ist, was wirklich gut ist (meisterhaft) hat immer auch seine Zeit, oder gilt als zeitlos schön.

Schlechter Stil ist für mich z.B. das "Sluming". Wenn Kleidung industriell kaputt gemacht wird, mit künstlicher "Patina" versehen wird, also zerrissen und verwaschen (Jeanshosen), für teuer Geld in der reichen, westlichen Welt "salonfähig" gemacht wird. Währenddessen andernorts 100te Millionen von Slumbewohnern, in den Armenvierteln afrikanischer und asiatischer Mega-Städte, sich täglich dafür schämen mit beschädigter Kleidung herumlaufen zu müssen.

Interessant ist, dass Maßkleidung wieder mehr im Gespräch ist. Die Herausforderung, Maßkleidung industriell zu fertigen, das wird sicher in Bälde gelöst werden und dann haben wir vielleicht den nächsten Trend. Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Wir sind ein reiches Land und so ziemlich die individualisierteste Gesellschaft der Welt. Da gibt es von allem was und viele Strömungen. Unterschiede zwischen Privat und nicht Privat spielt eine Rolle.

Klasse 10D: Halten Sie einen Dresscode an allgemeinbildenden Schulen für notwendig?

Nein, nicht wirklich. Es sind junge Menschen. Diesen sollte man die Freiheit lassen. Kleidung macht doch auch Spaß...... nach der Schule - in der Berufswelt der Erwachsenen -  gibt es genug "Zwänge".

Viel wichtiger finde ich, dass Lehrer sich einen Dresscode geben. Ich finde es geradezu lächerlich, wenn diese sich kleiden wie Ihre Schüler. Meist mit der Absicht auf "Augenhöhe" zu sein, eher noch um bei den Schülern gut anzukommen. Das funktioniert jedoch nicht und geht meist zu Lasten des Respekts. Kleidung ist wie die Verpackung eines Produktes. Wir kaufen nichts in einer beschädigten Verpackung und schlecht verpackte Produkte erzeugen kein Vertrauen zum Inhalt. Wenn sie ein gutes Produkt sind, sprich die Inhalte, die sie Schülern vermitteln wirklich gut sind, dann darf man ihnen das auch ansehen.

Eine provokantere Sichtweise könnte sein: Lehrer sind das personifizierte Gesicht der Schule. Somit könnten sich diese im Kontext zum Leitbild der Schule präsentieren. Die Schule ist Dienstleister am Schüler. Der Schüler ist Sinn und Zweck der Unternehmung Schule. Ohne Schüler keine Lehrer....... welche Unternehmen kämen auf die Idee, Ihren Kunden einen Dresscode vorzuschreiben?

Klasse 10D: Wenn Sie einen Dresscode mitgestalten  würden - was wäre ihnen wichtig?

Outfits ändern sich, bei jungen Menschen kann das auch recht schnell gehen. In der Regel will sich auch keiner in seinen Kleidungsstil reinreden lassen. Es ist so ziemlich das schwerste Thema, weil jeder ganz genau weiß was ihm steht oder was andere an einem gut finden. Machen Sie deutlich, dass zu viel Haut zeigen, manchmal keine gute Idee ist. Vor allem in schwierigen (konfliktgeladenen) Situationen ist man - wenn man freizügig ist - schnell in der schwächeren Position.

Viel wichtiger ist, Kleidung gelegentlich zum Thema zu machen. Was ist der wahre Wert und wo (oder wer) in der Welt bezahlt in Wirklichkeit den Preis für das billige Shirt. Machen Sie deutlich, wie "vergiftet" billige Kleidung u.U. sein kann. Dass Arbeiter in Asien mit nackten Händen in Chemikalien und Farben greifen, die bei uns in EU seit Jahren verboten sind. Dass teure Luxus-Labels qualitativ nicht unbedingt besser sind. Nachhaltigkeit ist ein weiteres (und zeitgemäßes) Thema. Qualität zahlt sich aus. Wer billig kauft zahlt teuer! Auch das gilt schon seit 100 Jahren.

Januar 2017

Seit vielen Jahren machen meine Frau und ich uns Gedanken, was uns ein Jahr lang leiten soll. Im September beginnen wir uns damit auseinanderzusetzen. Geleitet werden wir von Dingen und Ereignissen, die in der Welt passieren, sowie was uns persönlich bewegt und was wir uns vom nächsten Jahr wünschen.

Die Texte, bis auf das Zitat, stammen aus eigener Feder, wie auch die passenden Fotos, die - aktuell - von einer Ballonfahrt über unser Wahrzeichen, dem Kasseler Herkules stammen. Ein imposantes Bauwerk, welches es ohne Entschlossenheit der damaligen Landgrafen nicht gäbe.

Zu Beginn eines neuen Jahres suchen wir Menschen aus, mit denen wir unser Jahresmotto teilen, ganz klassisch über den Postweg. Die Rückmeldungen, die wir daraufhin bekommen sind wunderschön. Es ist uns immer eine große Freude, wenn wir mit unseren Gedanken auch andere Herzen erreichen und inspirieren.

An dieser Stelle wollen wir nun jeden, der diese Zeilen liest, daran teilhaben lassen. Wir wünschen für das neue Jahr 2017, dass es sich in den großen und kleinen Dingen des Lebens nach Ihren Wünschen richtet und Sie die notwendige Energie für all Ihre Vorhaben haben mögen.

ENTSCHLOSSENHEIT

Entschlossenheit bedeutet, mit Mut und Selbstvertrauen ein Vorhaben umzusetzen. Es ist das Gefühl von eigener Stärke und Kraft, welches und vorantreibt.

Zögerlichkeit und Skepsis sind Barrieren für mutige Entscheidungen. So bedarf es Klarheit und gelegentlich eines Blickes aus der Vogelperspektive, um Zweifel und Bedenken zu überwinden und einen getroffenen Entschluss zu verwirklichen.

Klarheit bedingt sich selbst zu spüren und der inneren Stimme zu vertrauen. Mögen wir stets in Stille und in lauten Zeiten dieser inneren Stimme folgen und mit Entschlossenheit Veränderungen umsetzen und neue Pfade gehen.

Ohne Mut und Entschlossenheit kann man in großen Dingen nie etwas tun, denn Gefahren gibt es überall.

Carl von Clausewitz (1780-1831)

Dezember 2016

Selbst gemachte Weihnachtsgeschenke

Interview für den Kölner EXPRESS

EXPRESS: Sind selbstgemachte Geschenke eher gute oder schlechte Geschenke?

M. Kugel: Ich denke, es ist wie mit allen Geschenken. Wenn man über den Menschen/die Person, der/die beschenkt werden soll nicht viel weiß oder sich keine Gedanken macht, kann auch ein „selbst gekauftes" Geschenk – unabhängig vom Wert – voll daneben liegen. (Beispiel: Ein Buch für jemand der nicht liest, Volksmusik-CD für einen Rockfan,... da gibt es viele Beispiele).

EXPRESS: Eignen sich bestimmte Personengruppen eher für Selbstgemachtes als andere?

M. Kugel: Man denkt bei selbstgemachten Geschenken vielleicht eher an Freunde und Familienmitglieder. Klassisch wären das „Gebastelte" für Oma oder „Gestrickte" für Papa. Ich würde zunächst pauschal keine Personengruppe ausgrenzen, sondern eher individuell darüber nachdenken, was zu den beteiligten Menschen passt. Damit meine ich nicht nur die Personen, die beschenkt werden sollen, sondern auch die, die schenkt.

(Beispiel: Wer im (Kunst)handwerklichen eine besondere Begabung hat, z.B. ein Gespür für Farben, Materialien und Motive und darüber hinaus auch noch schöne Bilder malt, kann hier sicher punkten, wenn der Stil zum Beschenkten passt).

Nachfolgende Fragen sind hierbei hilfreich:

„Wo bin ich?", also in welchem Rahmen findet das Schenken statt. Ist es im „Öffentlich Raum" (z.B. am Arbeitsplatz, im Verein) oder sehr privat zu Hause. Je öffentlicher, desto weniger persönlich sollte das Geschenk ausfallen.

„Wem schenke ich WAS"? Also was ist das für ein Typ, wie gut kennen ich seine Vorlieben/weiß ich was ihm gefällt/ihm schmeckt. (Macht ein gestrickter Woll-Pullover einem militanten Veganer wirklich Freude? Wie viel selbst eingekochtes Hack-Brät kann ich einem Vegetarier zumuten?)

„Was werde ich erreichen"? Am besten natürlich einen Volltreffer und ein glückliches oder überraschtes Gesicht. Aber was, wenn das Geschenk nicht gut ankommt? Auf der sicheren Seite ist derjenige, der ein Geschenk überreicht, welches den Beschenkten nicht in Verlegenheit bringt.

EXPRESS: Welchen Wert haben selbstgemachte Geschenke?

M. Kugel: Selbst gemachtes sind stets Unikate. Es steckt viel Persönliches darin. Ohne Engagement, Ideen und auch Kreativität – und allem voran die Investition in Zeit – gäbe es viele selbstgemachten Geschenke nicht. Das ist es in Wahrheit der Wert. Jemand macht sich für einen anderen die Arbeit! Und das alleine sollte der Beschenkte in jedem Fall würdigen. Auch dann, wenn der Geschmack nicht zu 100% getroffen wurde.

EXPRESS: Worauf muss man bei DIY-Geschenken achten?

M. Kugel: Über Geschmack lässt sich nicht streiten, jedoch die Sorgfaltspflicht gilt sicher immer! Es sollte sich niemand an einer selbst hergestellten Sache „verletzen", sprich die verwendeten Materialien sind so beschaffen, dass davon keine Gefahr ausgeht. Bei selbst gekochten, oder -gebackenen Leckereien ist immer wichtig, dass sie nicht verdorben sind, bevor sie verzehrt werden. Ebenso sollte man heutzutage daran denken auch auf Inhaltsstoffen hinzuweisen. Viele Menschen haben Allergien, die man gerade bei Personen die man nicht so gut kennt, nicht weiß. Selbst gemachte Marmelade oder in Essig eingelegte Früchte halten sich lange, dennoch sollte auf dem Glas ein Herstellungsdatum angegeben werden.

EXPRESS: Haben Sie Tipps für selbstgemachte Geschenke oder Anregungen worauf man achten sollte?

M. Kugel: Wir haben einen großen Garten und verschenken selbst sehr gerne selbst gekochte Marmelade (aber nur dorthin, wo wir wissen, das auch gefrühstückt wird J). Wir haben einen Trockenautomaten und machen Apfel- und Gemüsechips selbst. Auch binden wir verschiedene Küchenkräuter zu kleinen Sträußchen und machen aus der üppig wuchernden Minze Tee.

Viele wünschen sich Geld, da habe ich schon oft etwas Selbstgemachtes verwendet um die Geldscheine stilvoller/witziger (als in einem Umschlag) zu überreichen. Zuletzt hatten wir Geld für eine Reise verschenkt. Da habe ich aus alten Straßenkarten eine Kollage gebastelt und die Geldscheine darin „versteckt".

  

November 2016

Ein Plädoyer für einen Klassiker

Heute war ein Umschlag im Poststapel, der bereits draußen am Briefkasten meine volle Aufmerksamkeit bekam. Meine Adresse war handschriftlich geschrieben. „Das kann nur etwas ganz persönliches sein", sagte ich mir und ließ die übliche Post links liegen.

Geht es Ihnen auch so, dass ein Umschlag, der tatsächlich durch eine Handschrift zum einzigartigen Unikat wird, Ihr besonderes Interesse weckt? Etwas Geheimnisvolles schleicht sich geradezu ein und (Vor)Freude ist zu spüren. Warum macht sich jemand diese Mühe?

Sicherlich nur, wenn man sich von den gewöhnlichen Rechnungen, frei gestempelten Was-auch-immer-Umschlägen und anderen Massensendungen abheben möchte. Die Berge von Umschlägen, die täglich ungeöffnet in den Müll wandern, erwecken nur Mitleid für den Postboten, der den Mist schleppen muss.

Handschrift und dazu eine echte Briefmarke ist heutzutage eine Seltenheit. Und nicht selten werden diese Dinge auch viel häufiger aufgehoben oder liegen zumindest etwas länger als üblich auf dem Schreibtisch. Vielleicht haben auch Sie eine Kiste, in der Sie die besondere Post sammeln. Und ist es nicht angenehmer, zur Erinnerung einen Brief oder eine Postkarte hervorzuholen als im digitalen Dickicht des Outlook-Ordners oder im WhatsApp-Chat zu stöbern?

Die schönste E-Mail hängt sich doch keiner an den Garderoben-Spiegel oder an die Büro-Pinnwand. Offensichtlich mangelt es ihr an „sinnlicher Qualität". Also, warum nicht mal wieder zum Füllhalter greifen?

Nach „Knigge" sollte ohnehin nicht alles Gedankenlos per E-Mail verschickt werden. Tragen Sie Verantwortung, dass der Empfänger vertrauliche Mitteilungen auch wirklich persönlich erhält. Beachten Sie ebenfalls eine etwaige rechtliche Relevanz, wie z. B. bei Kündigungen.

Wenn Sie Aufmerksamkeit und Wertschätzung erreichen möchten, liegen Sie mit dem  klassischen Brief oder einer Karte absolut richtig. Bei Kondolenzschreiben, Danksagungen oder offiziellen Einladungen können Sie sich stets dieser Wertschätzung sicher sein.

Mein Tipp: Es fällt viel leichter, wenn Sie sich mit entsprechendem Papier, passenden Umschlägen und Motiv-Karten zu unterschiedlichen Themen wie z. B. Geburt, Geburtstag, Jubiläum, Genesungswünsche oder Einzug ins neue Heim/Büro, eindecken. Briefmarken (aktuell € 0,45) sollten Sie ebenfalls zur Hand haben. Wenn Sie nicht erst losgehen müssen, sondern alles griffbereit liegen haben, geht's superschnell. Sie werden überrascht sein, wie aufmerksam man sich Ihnen gegenüber künftig verhüllt.

Machen Sie einfach mal den Anfang.

Nächste Gelegenheit ist der 6.12. – Nikolaustag

September 2016

Preisaufschlag für unhöfliche Bestellungen

Vielleicht haben Sie diese Meldung ebenfalls Mitte September gelesen. In verschiedenen europäischen Zeitungen, auf Twitter und Internetportalen war darüber berichtet worden, dass in einem katalanischen Restaurant eine Tasse Kaffee bis zu € 5,00 kosten kann, wenn Gäste unfreundlich bestellen.

Ich hatte gerade eine Gruppe Mitarbeiter eines gastronomischen Betriebes im Seminar, als der Geschäftsführer mit dieser Meldung dazukam. Sofort war es das Gesprächsthema Nr. 1.

Hintergrund: Im Restaurant Blau Grifeu im katalanischen Llançà (Costa Brava) belohnt die Inhaberin Marisel Valencia Gäste, die einen freundlichen Umgangston pflegen. Wer nur "Kaffee" bestellt zahlt den Höchstpreis, wer ein "bitte" dazu sagt, spart schon 2 Euro und wer noch ein freundliches „Guten Tag" dazu gibt, dem wird der übliche Preis von € 1,30 abkassiert. Das sorgte natürlich für große Überraschung, so dass auch der spanische Rundfunk ein Interview mit Marisel Valencia sendete. Sie habe bislang noch keinem Gast einen höheren Preis abgenommen, da alleine Ihr Preis-Aushang schon für ein Lächeln sorge. Weiter hieß es: Sie habe eine positive Veränderung bei den meisten Gästen festgestellt, ist aber auch schon beschimpft worden.

Wo wir wieder beim Kern unseres Seminars sind. Darin ging es nächtlich auch um „Werte". Werte, die Gäste haben und mit ins Restaurant bringen. Werte des Betriebes (Leitbild), die sich möglichst mit den Erwartungen der Gäste decken sollen und um die Werte der Mitarbeiter, die für den Umgang mit Gast und Kollegen gleichermaßen eine hohe Bedeutung haben (sollten). Letzteres überraschte viele Mitarbeiter, da zunächst nicht jeder ein Bewusstsein hatte, dass die eigenen, persönlichen Werte mindestens genauso wichtig sind wie die der Gäste.

Das „Unternehmensbenehmen" ist ein Code, in dem sich alle wohlfühlen sollen. Im Workshop, wo es dann um die Begriffe persönlicher Eigenschaften ging und in der folgenden Verdichtung dieser, war mit Abstand der Wert RESPEKT das am häufigsten genannte Wort.

Wie bei Marisel Valencia. Ihr ginge es eigentlich auch nur um Respekt. Die harte Saison-Arbeit wollte sie respektiert haben und dass Fremde sich wenigstens mit den wichtigsten Worten wie „danke" und „bitte" in Landessprache auseinandersetzen.

Respekt ist das „Schmieröl" aller Beziehungen und ist nicht einklagbar (es gibt keinen Rechtsanspruch)! Umso mehr kommt es im Umgang besonders auf informelle Dinge an, auch mit Fremden. Ein nettes Wort, eine kleine Aufmerksamkeit, eine freundliche Geste, ein Lächeln, Blickkontakt oder dergleichen, das würde jedem gut tun.

Und somit hat jeder selbst Einfluss auf den Verlauf einer Begegnung.

Juli 2016

Hannover-Messe, das "Who is who" der Wirtschaft.

Seit der Messe im April geht mir eine Frage nicht mehr aus dem Kopf: „Ist eine Messe für Besucher?" „Was sonst", könnte man antworten, doch meine Bilanz fällt eher ernüchternd aus.

Mein Blick galt den Standbesetzungen vieler namhafter Aussteller. Man könnte auch sagen, der „Software" der Messestände. Als Knigge-Trainer kann ich mich den dargebotenen Situationen einfach nicht entziehen. Ich vermisste an zu vielen Stellen die Basis einfachster Sozialkompetenz. Meine „Liste der Unmöglichkeiten" wir länger und länger – so komme ich zu folgendem Entschluss:

Der Einzige, der die Veranstaltung zu stören scheint, ist der Messe-Besucher.

Mir ist klar, dass für die Standbesetzungen die Anforderungen in Sachen professionellen Auftretens gestiegen sind. Die reine Produktplatzierung war gestern, das kann das Internet auch und zudem günstiger. Heute müssen die Mitarbeiter der Messestände viel mehr über nonverbale und verbale Kommunikation Bescheid wissen um sich auf das veränderte Verhalten der Messebesucher einzustellen.

Die Messe ist Kommunikationsplattform erster Güte. Unabhängig vom schicken Ausstellungsstand, hervorragenden Produkten und guten Angeboten bestimmt letztlich das Verhalten jedes einzelnen des Messeteams über Erfolg und Misserfolg. Es geht um situative wirksame Verhaltenskompetenz, Professionalität im Auftreten, Integrität und Souveränität.

Denkt man an die enormen Gesamtkosten für den Messe-Stand selbst, Aufbau und Miete, Materialtransporte, Reise- und Übernachtungskosten sowie Spesen, Arbeitsausfall, Vor- und Nacharbeiten, so fällt es wirklich schwer zu glauben, dass bei der Schulung und am Outfit der Mitarbeiter offensichtlich gespart wird.

Dabei wäre ein „Update" in Sachen Umgang und Auftreten wirklich notwendig.

Bei Recherchen kam ich auf eine Umfrage, in der der durchschnittliche Messebesucher von 70% der Verkäufer nicht angesprochen wurde. Nur 1/3 sind mit dem stattgefundenen Gespräch zufrieden und stattliche 50% hören nie wieder etwas vom Aussteller mit Ausnahme von ungewollten, unpersönlichen Newslettern.

Dabei könnte es doch so einfach sein.

80% der Messebesucher sind auf der Suche nach neuen Kontakten, wollen Menschen kennen lernen und wünschen sich zunächst vom Aussteller freundliches und gut informiertes Personal. Der erste Eindruck zählt.

Die Standbesetzung ist der Schlüssel des Erfolgs.

Blickkontakt mit Lächeln reicht nicht, es braucht mehr: Wissen über Körpersprache, Mut auf Fremde zuzugehen, wertschätzenden Smart Talk, die richtigen Regeln zu Grüßen, Begrüßen und Vorstellen kennen, Anrede mit Titel, Handhabung Visitenkarten, Beachtung interkultureller Unterschiede, sind die wichtigsten Themen.

Das Verhalten am Messe-Stand ist also viel mehr als nur da zu sein. Gutes Benehmen und ein souveränes Auftreten laufen im Dauerbetrieb. Der potentielle Interessent, der vom Gang aus den Stand beobachtet, muss schon in dieser ersten Sekunde überzeugt werden.

Die Differenzierungsstrategie zum Mitbewerber findet sich im Messeteam.

Auch wenn ein ansprechender Messestand wichtig ist (39% der Besucher gefällt das) und hier bei den meisten Unternehmen der Fokus mit den höchsten Investitionen liegt, sollte an einem Training nicht gespart werden. Das ist der kleinste Kostenblock, jedoch mit einer sehr großen Wirkung.

 

 

Juni  2016

Keine Sorge, wenn „Plan B" nicht klappt, kennt das Alphabet noch 25 andere Buchstaben

Gunhildes 80. Geburtstag steht an. Ursprünglich ist über diesen Tag eine Reise nach Prag geplant. Nun kommt es aber zu Plan „B" und die Familie, der Freundeskreis und viele unterstützende Hände sind  zur Vorbereitung des Festtages verpflichtet worden. Unendlich viele male wird mit Gunhilde über alle Details gesprochen. Wohin die Möbel, reichen die Stühle, wer kocht, wer backt, wer liefert den Wein, woher Servicepersonal u.v.m.?

Alles ist organisiert und jede helfende Hand steht sozusagen in den Startlöchern, ihren Beitrag zu einem gelungenen Fest zu leisten, welches am kommenden Wochenende bei Gunhilde zu Hause stattfinden soll. Eigentlich.

Tatsächlich findet die Geburtstagsfeier jedoch nicht statt. Gunhilde hat in der Zwischenzeit alles, was an und für sich zu Hause stattfinden sollte, bei einem Restaurant bestellt. Unter Protest aller Helfer hat sie das dann wieder rückgängig gemacht. Sie ist schrecklich aufgeregt und zudem gesundheitlich etwas angeschlagen. Nichts Ernstes, jedoch beides zusammen genommen hat sie zu Plan „C" veranlasst. Ihre Feier hat sie abgesagt. Alle Gäste sind ausgeladen.

Jeder im engen Freundeskreis, der einen Job hatte, kann nicht glauben, dass dieser nun hinfällig sein soll. Die Telefone laufen heiß. Man trifft sich zu Beratschlagungen. Schnell ist man der Meinung, dass Gunhilde an ihrem Tag doch nicht alleine in ihrer Wohnung sitzen kann. Außerdem scheint es ihr doch bereits besser zu gehen. Somit kommt es nicht in Frage an ihrem 80. Geburtstag nichts zu machen.

Eine Umplanung scheint zwingend erforderlich. Gunhildes Wohnung ist tabu, aber Grillen im Garten ist doch ein schöner Plan „D". Ideen werden gesammelt und alle nötigen Arbeiten kollektiv verteilt. Einen Tag später müssen Änderungen vorgenommen werden, die Wetterprognosen sind schlecht. Am besten man geht zum Brunchen. Alle freuen sich. Wieder folgen endlose Telefonkonferenzen bis man sich einigt und im feinsten Hotel am Platz reserviert. Plan „E" ist perfekt. Gunhilde bekommt die Einladung – selbstverständlich ist sie nun Gast und hat sich um gar nichts zu kümmern. Prima, eigentlich.

In Wirklichkeit findet Gunhilde das Hotel, in das sie eingeladen wurde, gar nicht gut. So viele schlechte Erfahrungen hat sie da schon gemacht. Außerdem, Brunch kann sie überhaupt nicht leiden. Sich selbst bedienen, dass mochte sie noch nie und von den Qualitäten in diesen Wärmebehältern möchte sie erst gar nicht reden.

Verwunderung macht sich beim Organisations-Team breit. Der ein oder andere ist nicht nur irritiert, sondern auch leicht verärgert. Man storniert im Hotel. Ein neuer Plan ist gefragt.

Plan „F" ist nun ein Mittagessen in privatem Rahmen. Jeder bringt etwas mit. Spargel passt gut zur Jahreszeit, ein zartes Stück Fleisch auf Niedrigtemperatur gegart ist auch keine Arbeit. Gunhilde bekommt die zweite Einladung. Jetzt wird sie nichts mehr dagegen haben können. Ist doch alles zu ihrer Zufriedenheit.

Nicht ganz! Wenn sie ins Lokal hätte gehen wollen, oder ein Mittagessen – wo auch immer – hätte machen wollen, dann hätte sie doch ihren Gästen nicht absagen müssen. Was sollen denn die Menschen, die sie vor einer Woche ausgeladen hat, nun denken, wenn sie mitbekommen, dass sie dennoch im Kreise von Freunden Ihren Ehrentag begeht? Und nicht auszudenken, wenn dann doch einer zu Ihr nach Hause kommt – trotz Absage – um z.B. Blumen vorbeizubringen. Dann müsse sie doch da sein.

Muss nun Plan „G" her? Alle eifrigen Organisatoren sind nun sichtlich verärgert, vor allem über die „Undankbarkeit" von Gunhilde. Unglaublich, wie viel Zeit man jetzt schon in diesen Geburtstag investiert hat und die eigentliche Feier kommt doch erst noch. Gefühlte 50 Stunden Zeitaufwand waren wohl umsonst. Nichts könne man der alten Dame aber auch recht machen. Trotzige Zwischentöne werden erkennbar. Man beruhigt Gunhilde und sich selbst.

Eine gewisse Situationskomik lässt sich für mich, der bislang immer nur daneben stand, erkennen. Ein ganzes Team von lieben  Menschen hat es doch nur gut gemeint, weil ein so wichtiger und besonderer Tag nicht ins „Wasser fallen" soll. Für wen denn eigentlich, für Gunhilde oder den Freundeskreis? Sicher ist, dass Gunhildes Entscheidung bei allen wohlgemeinten Ideen übersehen wurde.

Deshalb bin ich auf das bevorstehende Wochenende sehr gespannt. Plan „H" (Essen ohne Gunhilde) und Plan „I" (ganz absagen) sind noch in Petto.

Gunhildes Geburtstag war sehr schön. Und das wichtigste. Sie hatte sich sehr gefreut. Ein ausgezeichnetes, exklusives Menü im kleinen Kreis und in privater Atmosphäre schien tatsächlich das richtige gewesen zu sein.

Schön, dass man sich auf seine Freunde verlassen kann. Die Anstrengung hat sich gelohnt. Aber eines scheint gewiss. Ohne Gunhilde kann man keine Pläne machen.

Steckte hinter Gunhildes Absage vielleicht etwas ganz anderes? Gründe dafür zu suchen nähren nur Spekulationen. Die Entscheidung der Jubilarin ist letztlich zu respektieren. Wer weiß, was in ihr wirklich vorging? Hatte sie womöglich einen ganz anderen, geheimen, persönlichen Plan für „Ihren" Tag? Um niemanden vor den Kopf zu stoßen, waren es dann die gesundheitlichen Umstände, die bei einer 79. jährigen durchaus verzeihlich, für eine Absage herhalten mussten?

Dieses Erlebnis bestätigt mich darin, egal wie gut Kommunikation läuft, es müssen alle mit einbezogen sein.

 

 

April 2016

Alles im Lot

Bei der Vorbereitung einer Rede bin ich bei der Suche nach einem geeigneten Symbol auf das Lot gestoßen. Beim darüber nachdenken, habe ich immer mehr Impulse erhalten, die ich hier gerne teilen möchte.

Das Lot ist ein altes und bewährtes Handwerkszeug, was man schon in der Antike und lange davor kannte. Im Zeitalter der digitalen Messtechnik ist der Umgang mit einem Lot schon kaum mehr zu finden. Dennoch, oder gerade deshalb ist ein Lot verblüffend in seiner Einfachheit.

Ein Stück Schnur und ein Gewicht genügen, um eine vertikale Linie zu erhalten, an der man sich orientieren kann. So liegt es nahe, dass das Lot auch ein Sinnbild dafür ist, die Dinge im menschlichen Leben als stimmend zu bezeichnen und das Leben in der richtigen Ausrichtung zu sehen.

Das ist es jedenfalls, was man sich wünscht, wenn man hofft, dass „die Dinge ins Lot kommen". Sind die Dinge im Lot, dann meint man damit, dass die Richtung stimmt. Man könnte dann auch sagen, die Richtung bestimmt den Weg.

Ganz einfach gesagt geht es immer um Klarheit, Orientierung und die Gewissheit, dass es ein sinnvolles Weshalb und Wohin gibt.

Ein Lot ist kein Kompass, es zeigt uns nicht die Himmelrichtung an. Wenn man nicht weiß in welche Richtung man gehen soll, nützt ein Kompass nichts. Eine Navigation ist nur sinnvoll, wenn ich das Ziel kenne.

Das Lot ist vielmehr der Standpunkt. Erst wer seinen Standpunkt kennt und diesen eingenommen hat, kommt auch an sein Ziel, dann ist die Richtung nur noch der Weg, der zum Ziel führt. Egal wie es ausschlägt, kommt es zum Stehen, dann steht es Gerade. Steht man selbst im Lot, fällt man nicht um. Man hat seinen festen Standpunkt  eingenommen.

Weil das Lot schon so alt ist, gibt es natürlich noch andere Bedeutungen. So war es etwa 1856 in Deutschland, Österreich und Skandinavien eine Masse-Einheit:

1 Lot = 4 Quentchen = 16 Pfenniggewichte = 32 Hellergewichte = 18 Gran

Das Lot braucht man in der Geologie für die Geraden, die sich im rechten Winkel treffen. Die alten Römer hatten das Lot für die Landvermessung.

In der Schifffahrt steht das Lot für das Messen von Wassertiefen, was vor allem bei Untiefen besonders wichtig ist.

Wann, und Wo und Wer auch immer ein Lot benutzt hat: Es geht und ging immer um Klarheit, Orientierung und die Gewissheit  für ein sinnvolles Weshalb und Wohin.

Damit es im Leben meines Sohnes immer Klarheit, Orientierung und die Gewissheit für ein sinnvolles Weshalb und Wohin, gibt, mache ich ihm das Lot zum Geschenk.

Impulsletter Januar 2016

Dankbarkeit

2015 war ein schweres Jahr. Für meine Familie und mich war es sehr emotional - mit viel Krankheit und Tod im engsten Freundeskreis. Vielen Menschen schien es in 2015 ähnlich zu gehen. Ich hörte oft die Leute sagen: „Endlich ist 2015 vorbei. In 2016 wird alles besser!"

Es ist also kein Zufall, dass meine Frau und ich für 2016 das Motto „Dankbarkeit" ausgesucht haben. Nicht nur durch das selbst erlebte. Auch vor dem Hintergrund, was in der Welt passiert.

Wir sind allen Menschen dankbar, die im letzten Jahr Zeit mit uns verbrachten und uns die Kraft gegeben haben, die wir tatsächlich auch gebraucht haben.

Dankbarkeit ist das warme Gefühl im Bauch, verbunden mit der Positiven Emotion, die Welt und das Leben optimistisch zu sehen.

Dankbarkeit ist auch der Moment des großen Glücks. Sie lässt uns mit Ruhe und Gelassenheit weit an den Rand des Horizonts blicken. Wir schöpfen daraus Kraft und zeigen, wie wir uns selbst und andere gegenüberstehen.

Dankbarkeit macht Mut, stärkt Selbstvertrauen und lehrt uns Bescheidenheit, die Basis für Vertrauen, Vergeben und Liebe.

Ein herrliches Zitat habe ich dazu von William Arthur Ward gefunden. Es soll mich das ganze Jahr begleiten.

„Dankbarkeit zu fühlen und sie nicht auszudrücken, ist wie ein Geschenk zu verpacken und es nicht zu verschenken".

Impulsletter Dezember 2015

Was, wenn Sie Ihr Geschenk am Heiligabend scheußlich finden?

Sie finden Krawatten doof, das Hemd hat die falsche Farbe und Socken haben Sie ohnehin zu viel. SOS (Schlips, Oberhemd, Socken) ist nicht nur die allerletzte Idee, sondern steht hier wirklich für HILFE! Muss ich "schauspielern" und so tun, als würde ich mich freue, wenn mir etwas nicht gefällt? Wie sag ich's, wenn ein Geschenk total daneben liegt.

Darf ich Lügen?

CD's, die man schon hat, Wein, der einem nicht schmeckt oder irgendwelchen Nippes, den man nicht ausstehen kann. Müssen Sie sich trotzdem freuen?

Wie viel Wahrheit verträgt die Freundschaft?

Grundsätzlich unterstellen Sie erst einmal, dass der Schenker sich nicht nur Gedanken, sondern auch Mühe gemacht hat. Er hat investiert, und zwar in Geld und Zeit. Das darf dann in jedem Fall gewürdigt werden. Bevor Sie Luft holen, überlegen Sie als Erstes wie viel Ehrlichkeit Ihr Gegenüber verträgt und dass Sie sich im Ton nicht vergreifen.

Ohne Gesichtsverlust.

Tun Sie alles, damit der Schenker sein Gesicht nicht verliert, und sagen Sie nichts Verletzendes. Verzichten Sie aber auch auf übertriebenen Dank, wenn Sie's nicht wirklich ernst meinen. Freuen Sie sich aber über die gute Absicht und dass überhaupt an Sie gedacht wurde. Genau dies dürfen Sie dann auch so aussprechen (dann müssen Sie sich nicht unbedingt aufs Geschenk selber einlassen).


Und wenn Sie das Buch bereits gelesen haben, können Sie ja auch charmant mit einem Augenzwinkern davon sprechen, wie spannend sie es fanden. So ist dem Schenker klar, dass er zumindest Ihren Geschmack gut getroffen hat. Das wäre eine gute Basis, um über einen etwaigen Umtausch zu sprechen.

Impulsletter August 2015

Über Wein muss man nichts wissen, er muss nur schmecken

In Kürze beginnt die schönste Zeit des Jahres. Mit den ersten Heimkehrern kommen auch die am Urlaubsort entdeckten Weine mit nach Deutschland. Nicht wenige werden uns von kulinarischen Urlaubs-Genüssen vorschwärmen und schwelgend von den landestypischen Köstlichkeiten und Entdeckungen.

Ach ja – wir erinnern uns! Liegt nicht noch ein Fläschchen von dem Mitgebrachten im Keller? Schade eigentlich, dass Urlaubs-Entdeckungen zu Hause nicht so recht schmecken wollen. Warum eigentlich?

Enttäuscht von der Urlaubs-Bekanntschaft?

Die Antwort ist: „Wein ist emotional"! Vielleicht sogar das emotionalste Getränk der Menschheit. Das glauben Sie nicht? Wo sonst schmeckt ein einfacher Vino Rosso aus der 2-Literpulle so lecker wie am Strand von Livorno oder Pesaro. Das Meer, die warme Luft, andere Öle, Gewürze und überhaupt das Essen und das ungezwungen sein in einem anderen Biorhythmus.

Der obligatorische Sonnenuntergang tut sein Übriges dazu, sodass die ausgeschütteten Glückshormone die Sinne vollends benebeln. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass der lokale Wein auch fast nichts kostet, so kommt die Freude über das unglaubliche Schnäppchen noch dazu.

Und so findet sich im Kofferraum auch ein Plätzchen für ein paar Flaschen. Zur Not lässt man die Strandmatten zurück.

Wie kommt es, dass der Tropfen zu Hause einfach nicht schmecken will?

Zu Hause angekommen finden sich kaum Worte über den geschmacklichen Tiefflug. Keine Sorge, Sie leiden nicht an Geschmacksverirrung. Sie sind nur wieder in der realen Welt und im Alltag angekommen. Der Geschmack eines Weines ist eben nicht von Qualität, Herkunft und Preis abhängig. Geschmack ist bei so einem emotionalen Getränk vor allem äußeren Einflüssen geschuldet.

Schmeckt oder Schmeckt nicht, das ist mein Credo, seit dem ich 1990 in die Weinbranche gekommen bin. Eine mitgebrachte „Urlaubs-Entdeckung" ist ein eindrückliches Beispiel wie das mit dem sogenannten Geschmack (über den es ja bekanntermaßen nichts zu streiten gibt) funktioniert. Je nach Situation, Anlass, Gesellschaft, Umgebung und Speisen, können wir ein und denselben Wein tatsächlich anders empfinden.

Viel zu viele „Weinpäpste" erklären uns seit Jahrzehnten, was im Wein zu riechen und zu schmecken ist. In meinen Sensorik-Seminaren erlebe ich meist, dass dies zu Irritationen führt, und eher Angst vor dem Produkt Wein auslöst. Angst ist jedoch ein ganz schlechter Begleiter, vor allem wenn's um Genuss gehen soll.

Mein Tipp: Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn Sie als Amateur mit Wein-Profis einen Tropfen verkosten. Lassen Sie den Profi ruhig riechen und schmecken, was er will. Denken Sie stets daran, dass es sein Geschmack ist und nicht Ihrer. Versuchen Sie für sich selbst den Wein zu schmecken und scheuen Sie sich nicht, so darüber zu sprechen, wie Sie diesen emotional empfinden.

Und sollten Sie mit einem Wein tatsächlich Mühe haben, weil er Ihnen einfach nicht die Gurgel runter will. Freuen Sie sich! Es gibt noch Tausende von Alternativen zu entdecken. Probieren Sie einfach den Nächsten. Zum Wohl!

Impulsletter Juni 2015

Geht`s noch? Jetzt reservieren sich Gäste auch schon die eigenen Plätze.

Als Knigge-Experte schüttle ich manchmal nur mit dem Kopf. Viele Gastgeber überlegen sich, ob man auf Tischkarten ganz verzichten kann. Ich möchte nach meiner letzten Erfahrung dafür plädieren. Eine kluge Durchmischung der Gäste ist für alle angenehm.

Ein bekannter Unternehmer lud mich zum alljährlichen Gartenfest auf sein Landgut ein.  Das Arrangement aus weißen Zelten, Tischen und mit weißen Hussen überzogenen Stühlen ließ die üppig, bunte Blumendekoration in mitten eines großen Parks besonders leuchten. Die traumhafte Kulisse wurde von Live-Musik in einen angenehmen Klangteppich getaucht. Freundliches Personal reichte Getränke.

Schicke Tischkultur verwandelt sich in eine bunte Wäscheleine.

Als Beobachter der Szenerie blieb mir nicht verborgen, dass viele Gäste sich kennen mussten. Viel Bussi-Bussi, vertrauliche Gesten - schnell kamen die Menschen miteinander ins Gespräch. Obwohl der Gastgeber die Gesellschaft noch nicht zum Platz nehmen aufforderte, war zu beobachten, wie die ersten Gäste sich Plätze sicherten.

Eine Tischordnung gab es nicht und so wurden noch während des Empfangs mehr und mehr Stühle mit Jacken, Taschen und Tüchern belegt. Dem Vergleich mit einem Urlaubs-Hotel, wo Pool-Liegen in den frühen Morgenstunden mit Handtüchern reserviert werden, konnte man sich nicht entziehen. Die schicke Tischkultur verwandelte sich allmählich in eine kunterbunte „Wäscheleine". Immer weniger Tische blieben komplett frei.

Eine Dame packte vorbereitete Reservierungsschilder aus und stellte diese auf einen langen Tisch. Mit dem PC gedruckte, große Namenschilder mit den Worten „Reserviert für..." signalisierten deutlich wessen Plätze hier „verteidigt" werden.

Freie Platzwahl verlangt Fingerspitzengefühl.

Dass sich in Gesellschaft Grüppchen bilden, ist normal. Auch, dass jeder bei loser Tischordnung und freier Platzwahl lieber mit einem bekannten Menschen zusammensitzt, als mit Fremden ist verständlich. Die Idee des Gastgebers war, dass sich aus zufälligen Begegnungen beim Empfang Tischgemeinschaften bilden.

Wenn ein Gast jedoch vorher schon bestimmt, wer an „seinen Tisch" gehört und wer nicht, und das mit einem Schild dokumentiert, sorgt nicht nur für Verwunderung bei anderen Gästen sondern durchkreuzt auch die Pläne des Gastgebers. Dem ging das wohl auch zu weit und ließ die Schilder abräumen.

In Gesellschaft hat jeder eine (Mit)Verantwortung.

Gute Stimmung liegt auch in der Verantwortung jedes einzelnen Gastes. Es zeugt auch von besonders gutem Stil für Fremde Verantwortung zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass einzelne Personen oder Paare schnell Anschluss finden. Keiner sollte alleine rumstehen. Gerade wenn der Gästekreis sich so zusammensetzt, dass möglichst viele Gemeinsamkeiten aufeinander treffen.

Ein wunderbarer Gedanke, der in der Praxis jedoch nicht von alleine funktioniert. Aus diesem Grund empfehle ich jedem Veranstalter, nicht alles dem Zufall zu überlassen. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie man auf charmante und nette Art eine kluge Durchmischung fördern kann. Zumindest, wenn man das Ziel hat, dass nicht immer die gleichen Grüppchen zusammensitzen. So könnte man über gleiche Symbole (z. B. über Anstecker, Fähnchen usw.) Tischgruppen bilden und so auch unauffällig „Fremde" zueinander finden lassen".

Respektloses Verhalten.

Den Gästen empfehle ich, sich auf Wünsche des Gastgebers nach Möglichkeit einzulassen. Das gilt für die Empfehlung der Garderobe ebenso wie für ein pünktliches Erscheinen oder einen speziellen Geschenke-Wunsch. Für Gäste ist es nicht immer offensichtlich, welches Ziel ein Gastgeber verfolgt. Es wäre nicht nur respektlos dem Einladenden gegenüber, auch den übrigen Gästen stößt man schnell vor den Kopf, wenn man mit eigenen Ideen und einem konträren Verhalten sich über das der Gruppe hinwegsetzt. Adolph Freiherr von Knigge hat bereits vor 230 Jahren gesagt: „Wer die Gesellschaft nicht entbehren kann, soll sich ihren Gebräuchen unterwerfen, weil sie mächtiger sind als er." Auch heute noch immer ein guter Rat.

Impulsletter Februar 2015

Sie und ich leben die drei V`s

Ist ein Unternehmen ohne Werte wertlos?

Heute fragt ein Kunde nach einem Präsentation-Termin für sein Werte-System. Der Abschluss einer fast 15-monatigen Tätigkeit, in der ich involviert war. Ich freue mich.

Die Anfrage erinnert mich an einen Auftrag, den ich vor 3 Jahren von einem Unternehmen mit rund 1.000 Mitarbeitern zum neuen Unternehmens-Leitbild bekam. Dieses Leitbild hatte mich persönlich sofort begeistert. Diese Begeisterung wollte ich nun mit vielen Mitarbeitern teilen.

Von einer Werbeagentur entwickelt.

Allerdings hatte diese wunderbare Idee einen Haken. Kaum einer der Mitarbeiter wurde vorher in den Prozess der Findung und Ausarbeitung eines Wertesystems eingebunden. Zumindest war dies mein Eindruck, denn ich spürte Argwohn, Widerstand und Ablehnung in der Belegschaft.

Das hat nicht funktioniert.

Die Geschäftsleitung hatte nämlich die Anweisung herausgegeben, dass die Philosophie des neuen Leitbildes jeder Mitarbeiter annehmen müsse und ab sofort mit Leben zu füllen hat. Jeder Kunde sollte spüren, dass die damit verbundene Werbeaussage kein leeres Versprechen ist. Damit das auch gut klappt, schob die Geschäftsführung noch einen Maßnahmenkatalog hinterher. Bei Zuwiderhandlung wäre mit einer Abmahnung zu rechnen. Das gefiel dem Betriebsrat nicht und intervenierte, indem er die Teilnahme an meinem Seminar lediglich als „freiwillig" empfahl.

Es hatte zunächst was von „gut gemeint" aber nicht „gut gedacht".

Im ersten Eindruck eine recht verfahrene Angelegenheit, bevor das Thema überhaupt ins Rollen kam. Die Sorge der Mitarbeiter konnte ich gut verstehen. Welche Möglichkeiten hat man hier als Trainer überhaupt noch?

Die 3 V's

Im Leitbild ging es um die Worte Vertrauen, Verantwortung und Verlässlichkeit. Drei geniale Wörter, die in nur einem Buchstaben sichtbar gemacht sind und alles sagen, was auch meine persönliche Haltung ausmacht. So kam mir eine Idee: Ich nahm das Leitbild aus den Unternehmensabläufen heraus und übertrug die drei V's auf den privaten Bereich. Hier sollte sich jeder wiederfinden, weil jeder von uns die drei V's in sich trägt.

Jeder von uns muss vertrauenswürdig sein, weil es die Basis einer jeden Ehe ist. Jede Partnerschaft baut darauf auf, weil sie die Grundvoraussetzung ist, dass wir Freunde haben, die zu uns stehen.

Wir ziehen Kinder groß, pflegen Angehörige, kümmern uns um Haustiere und begleiten Ehrenämter. Ohne Verantwortungsbewusstsein würden wir scheitern oder hätten nur mäßigen Erfolg.

Wir bauen Häuser, kaufen Möbel, finanzieren Autos, buchen Urlaub, haben einen Job und vieles mehr. Nur weil wir verlässlich sind, können wir unsere Träume verwirklichen.

In den drei V's stecken so viele gute Eigenschaften, die von uns im Alltag automatisch gelebt werden. Und weil wir so sind, können wir uns am Arbeitsplatz auch nicht verstellen. Unsere Kollegen und Kunden wie auch unsere Vorgesetzten nehmen uns so wahr. Sofern es anders ist, hat das nichts mit den drei V's oder einem fehlenden Leitbild zu tun. Dann liegen die Ursachen auf einer anderen Ebene.

Mitarbeiterzufriedenheit wäre hier mein Stichwort. Wellbeing, die zukünftige Herausforderung im Wettbewerb um immer weniger Fachkräfte. Ein anderes Thema an anderer Stelle.

10. Impuls-Letter für 2014

"Offline"

Als Jahresmotto für dieses Jahr hatte ich mir „Gelassenheit" ausgesucht. So versuche ich auch im Urlaub „Offline" zu sein. Eine ganz besondere Freiheit, die ich mir in den wenigen Tagen der Entspannung und Erholung einfach gönne. Ich weiß, dass sich nicht alle Zeitgenossen ein eigenes „Offline" vorstellen können. Es ist auf den ersten Blick ja auch nicht einfach. Man braucht neben dem Willen auch ein wenig Mut und vor allem Gelassenheit.

Nach meiner Rückkehr aus den Herbstferien ist es mir dann passiert. Per Email lies mich eine Dame wissen, dass Sie mich eigentlich buchen wollte, aber das nun ganz bestimmt nicht tun werde, weil ich ja nicht erreichbar wäre und überhaupt ginge das gar nicht, dass man eine Woche auf eine Antwort warten müsse. Vorweg genommen: Sie hat Recht!

So, jetzt habe ich mir aber ordentlich ins eigene Fleisch geschnitten, werden da einige Menschen denken, die sich ein eigenes „Offline" nicht vorstellen mögen. Das ist nun der  Beweis dafür, dass man sich ein „Offline" im geschäftlichen Bereich wirklich nicht erlauben kann. Stimmt. Wer es sich nicht erlauben kann, sollte sich ein eigenes „Offline" gut überlegen.

Ich gebe zu, ein wenig ärgern muss ich mich schon darüber. Ich ärgere mich jedoch weniger über einen verlorenen Auftrag als über die Haltung, respektive die Erwartung auf prompte Antwort – und dass schriftlich!  Wer hat bestimmt, dass Emails immer und prompt beantwortet werden müssen. Ist das nicht ein Relikt aus einer vergangenen Zeit, als Boris Becker noch AOL-Werbung machte mit dem Satz: „Ich bin drin!" weil Email in seinen Anfängen steckte und nicht jeder einen Anschluss hatte? Wer diese Regel in die Welt setzte hatte keine Vorstellung von der Flut der Mails (inkl. Spams) dieser Tage. Millionen von Menschen haben noch keine Lösung dazu, wie mit diesen Zeitfresser am besten umzugehen ist. In vielen Arbeitszeitmodellen ist immer noch kein Platz für das sichten und beantworten. Ich erlebe häufig, dass die Massen der Mails nebenher abgearbeitet werden müssen.

Es gibt Versuche, wie man filtert, sortiert, abfängt oder die internen Nachrichten auf ein Minimum beschränkt. In den Seminaren und Workshops wird die Empfehlung „greif mal zum Hörer" wieder öfter ausgesprochen. Tatsächlich könnte man mit dem persönlichen Wort viel Zeit sparen und Dinge wären prompt geklärt. Auch Missverständnisse sind schneller ausgeräumt oder kommen erst gar nicht auf, weil wir den Tonfall mit Text nicht wirklich treffen können. Schon gar nicht, wenn alles kurz und knapp formuliert sein soll.

Mit einer Mail ist es nicht getan. Ich habe zwar alle Daten und Fakten, Schwarz auf Weiß kommuniziert. Wenn jedoch etwas damit erreicht sein soll, ist ein nachfassen empfehlenswert. Am besten im persönlichen Gespräch. Wenn es einem wichtig ist, dann erst recht.

Soll ich mich nun weiter ärgern? Oder scheint es der Dame nicht wirklich wichtig gewesen zu sein. Vielleicht hat sie jetzt einen Referenten gebucht der erreichbar war, aber ob sie das bekommen wird, was sie für Ihren Bedarf benötigt, ist noch nicht beantwortet.

Ich habe das einem Freund erzählt, der meinte: „Das war sicher nur eine ganz allgemeine Abfrage. Wenn einem wirklich daran gelegen ist, ruft man an. Vielleicht ärgerte sich diese Dame, weil es da einen Menschen gibt, der sich diese Freiheit „Offline" zu sein einfach herausnimmt, und sie selber kann es nicht"!

Ich lasse das mal so im Raum stehen. Zum Nachdenken, und als kleinen Trost.

9. Impuls-Letter für 2014

Höflichkeit versus Herzlichkeit

Ich bin gedanklich immer noch im Urlaub. Keine meiner bisherigen Reisen hatte solch eine lange Nachwirkung. Ich war in Japan. Ein Land, in dem vieles anderes ist oder erscheint – man könnte auch sagen „Kulturschock" garantiert! Ich hatte jedoch das seltene Glück die ersten Tage in einer Familie zu wohnen. So konnte ich mich langsam akklimatisieren und wurde mit den vielen besonderen Regeln im Haus vertraut gemacht. Zum Beispiel wo Schuhe ausgezogen werden, wie diese hinzustellen sind, dass Schuhe wechseln vom Flur ins Bad, wieder wechseln zur Toilette. Der Toilettengang ist ohnehin sehr speziell, auch das Duschen bzw. Baden. Die vielen unterschiedlichen Begrüßungsrituale und -worte, je nachdem wer auf wen wann trifft. So grüßen Gleichaltrige sich anders als wenn eine ältere Person eine Junge (und umgekehrt) grüßt. Körperberührung ist in der Regel tabu. Die Worte ändern sich auch – je nachdem. Der Ton auch, und die Tiefe der Verbeugung (als Ausdruck des eigenen sozialen Status und des Respekts dem anderen gegenüber) ist natürlich auch ganz wichtig.

Gespannt war ich auf das Verkaufspersonal in den großen Shoppingmals. Hier hörte ich schon vor Längerem vom „König Kunde", der in Japan „Gott" sein soll. In meinen Seminaren kommt Kundenzufriedenheit, Kundenwahrnehmung und Respekt auch immer mal zur Sprache. Ich nehme es vorweg. Von göttlicher Behandlung habe ich nicht viel erfahren. Vielleicht war ich aber auch in den falschen Geschäften. Die globalen Luxus-Labels  interessierten mich nicht. Ich war dafür stets auf der Suche nach dem originalen japanischen Stil. Landestypische Produkte, Geschäfte und traditionelle Restaurants lagen in meinem Fokus.

Unabhängig von Ort und Zeit begeisterte mich die unglaubliche Höflichkeit, die im Land des Lächelns tatsächlich sprichwörtlich ist. Eigentlich immer und überall, in Museen, im Tokioer Rathaus, in der Bahn, in Parks und auf der Straße. Auf den ersten Blick erschien mir diese Höflichkeit auch einfach: ruhig bleiben, immer schön in der Schlange stehen, nicht drängeln, kein telefonieren in der Öffentlichkeit, kein Trinkgeld geben, keinen Schmutz verursachen, Schuhe ausziehen und nicht laut herumbrüllen. Japaner gelten – zumindest bei uns – als zurückhaltend. Im eigenen Land ist das ein wenig anders. Auf typisch europäisches Fehlverhalten kommt prompt und unmissverständlich eine Reaktion. Was man z. B. ausprobieren kann, wenn man als Fußgänger eine rote Ampel missachtet (auch wenn überhaupt gar kein Auto kommt) oder wenn man am Bahnsteig nicht auf der richtig-farbigen Markierung (die farblich zum nächsten Zug passen muss) steht.

Begeistern kann auch die Disziplin, die selbst bei großen Menschen Ansammlungen für mich stets spürbar war. Die allgegenwärtige, fast unheimliche Sauberkeit, selbst öffentlicher Toiletten und die Pünktlichkeit des ÖPNVs. Die ganze Gesellschaft und deren Verhalten basiert auf - niemals und unter gar keinen Umständen eine andere Person belästigen oder stören.

Am Ende der Reise kam eine weitere Erkenntnis hinzu. Bei aller perfekter Höflichkeit und respektvollem Verhalten vermisste ich eines. Die Herzlichkeit. Das erlebte ich im Rückblick tatsächlich nur in den ersten Tagen. Im Kreise meiner Gastfamilie, außerhalb des öffentlichen Raums, im ganz persönlichen Kontakt mit Menschen. Ich gebe zu, dass ich mir vorher nicht viele Gedanken über den Unterschied von Höflichkeit und Herzlichkeit gemacht habe. Vielleicht, weil ich niemals zuvor so intensiv Höflichkeit erlebt habe. Der Gedanke lässt mich nicht los, ich beobachte die Menschen hier ganz genau und bin noch nicht sicher, was mir besser gefällt. Eine spröde Ansprache mit dem Herz auf den zweiten Blick oder eine perfekte Inszenierung des Respekts – die ja für den Moment eine Begegnung Fremder auch ganz angenehm sein kann.

7. Impuls-Letter für 2014

Eine Zugfahrt die ist lustig,....                                              Die Deutschen und ihr heiliger Datenschutz

Der ICE 371 von Berlin-Ostbahnhof nach Interlaken bringt mich nach Hause. Ich freue mich auf die 2 ½-stündige Fahrt, genieße die Reisezeit und schalte beim Anblick der vorbeiziehenden Landschaft wunderbar ab.

Eine etwas lautere Unterhaltung schräg hinter mir lässt mich hinhören. Zwei Männer – dem Outfit nach offensichtlich Geschäftsleute – unterhalten sich über Dies und Das. Ob beide im gleichen Unternehmen tätig sind? Ihre Themen haben nichts, was meine Aufmerksamkeit hätte in Anspruch nehmen können. Oder doch? Ob ich wollte oder nicht, ich konnte mich nach einer gewissen Zeit der Unterhaltung dieser beiden nicht entziehen. Sie redeten dafür einfach zu laut, überhören ging nicht. Vom Vorwurf des Belauschens spreche ich mich hiermit frei.

Es ging um Zahlen. Umsätze irgendwelcher Produkte, die ich nicht kannte. Maschinen vielleicht? Unternehmenszahlen sind nicht mein Ding: „Wie langweilig“, dachte ich zunächst. Plötzlich wurde es spannend. Ich erfuhr unfreiwillig etwas über große Verluste. Verluste, die die Geschäftsleitung noch nicht umreißen würde vielleicht müsse man auch von Vertuschung ausgehen. Jetzt fielen auch Namen von unfähigen Chefs, die keinen Durchblick haben. Verbale Verunglimpfungen über vermeintliche Kollegen folgen. Namen von Wettbewerbern, die es besser können und Kunden, die wohl bald zur Konkurrenz wechseln. Nach etwa einer halben Stunde ist mir auch klar, bei welchem Unternehmen beide arbeiten. „Superspannend!“, dachte ich. Ein Handy klingelt. Der Stimme nach nahm einer der beiden Herren das Gespräch an und nach einem gesäuselten, überfreundlichen „Hallo, meine liebe Nicole, wie geht’s?“ folgten Anweisungen zu unterschiedlichen Sachverhalten mit Terminvorgaben. Alles hörte sich ganz wichtig an. Kaum war das Gespräch beendet folgten unflätige Bemerkungen über diese, gerade gesprochene Assistentin, die angeblich schon mit jedem im Haus was hatte, die obendrein dumm sei und noch gar nicht weiß, dass sie in Kürze mit einer Kündigung rechnen darf.

Ich fand das nun gar nicht mehr lustig und überlegte mir, ob es im Handy-Abteil angemessen erschien um mehr Ruhe zu bitten. Da klingelte es schon wieder. Jetzt ging der andere dran. Inhalt dieses Gesprächs war ein fehlerhaftes Produkt, was der Kunde aber noch nicht gemerkt hat. Darum, was man tun könne, dass dieser auch unwissend bleibt, bzw. welche Strategie man fahren wolle, wenn’s dann doch rauskommt. Im Anschluss des Gespräches unterhielten sich beide wieder über den Inhalt des Telefonates. Dabei ergossen sich erneute unschöne Betitelungen über unfähige Kollegen und Vorgesetzte.

Comedy, versteckte Kamera? Unglaublich!

Wäre ich ein böser Mensch, was hätte ich mit den gesammelten Informationen alles anstellen und auslösen könnten. Ich kannte das Unternehmen. Die Telefonnummer ausfindig zu machen ist kein Aufwand. Nach den unfähigen Vorgesetzten hätte ich mich durchfragen können. Den Kunden hätte ich vor einem Produkt warnen können, den Wettbewerber über Probleme und Umsätze in Kenntnis setzen. Ich hätte nach Nicole gefragt und ihr den Zug verraten, in dem ich sitze und ihre netten Kollegen auch. Sie hätte eben mal schnell mit den Vorgesetzten eine außerordentliche, fristlose Kündigung ausgelöst. Soviel zu Datenschutz. Von Stil und Anstand will ich hier jetzt nicht mehr reden.

 

6. Impuls-Letter für 2014

Gelebte Wertschätzung

Ich bin freudig erregt und stolz, denn ich habe ein unglaubliches Engagement in Berlin. Mitten in Mitte, unweit vom Wahrzeichen der Stadt. Ich darf in einem Traumhotel einen Impulsvortrag für die Mitarbeiter halten.

Thema: „Wertschätzender Umgang mit dem Gast“. Zum Einstieg wurden die Themen „Erster Eindruck“ und alles zu „Nonverbaler Kommunikation“ für Gastgeber gewählt.

Über einen Roten Teppich „schwebe“ ich in die Hotelhalle ein und bin in einer anderen Welt. Der Empfang ist überwältigend. Von allen Seiten werde ich freundlich angesprochen. Ich fühle mich sofort wohl, ein unglaubliches Gefühl von „Angekommen- und Angenommensein“ stellt sich ein. Ich sitze in der Lobby und habe Freude an der Szenerie, die sich mir als Beobachter bietet. Gast trifft auf Gastgeber. Zwischenmenschliche Kommunikation wie ich es selten in Hotels erlebe.

Plötzlich rutsche ich immer tiefer in meinen Clubsessel und merkwürdige Gedanken kreisen in meinem Kopf. Was um Gottes Willen soll ich diesen Mitarbeitern erzählen. Das sind Profi-Gastgeber. Zu weiteren panischen Überlegungen komme ich nicht, schon steht eine junge, freundlich lächelnde Dame vor mir und nimmt mich mit auf einen langen Spaziergang durch das Haus. Sie bringt mich zum Konferenzraum. Mit dem charmantesten Small Talk verwickelt sie mich in ein angenehmes Gespräch, ihr Interesse an meiner Person verzaubert mich regelrecht. Die Gänge erscheinen mir endlos, x-mal wechselt Richtung und Etage. Wie in einem fensterlosen Labyrinth komme ich mir vor, ich frage wie weit es denn noch ist. Wir sind gleich da. Superfreundlich mit einem winzigen Anflug des Bedauerns sagt sie mir, dass wir in einen Raum gehen, der nicht so häufig genutzt wird. Das ist verständlich, einem Gast, der Luxusklasse bezahlt, ist dieser Weg nicht zuzumuten. Endlich angekommen, treten wir ein. Die Luft ist verbraucht und stickig. Mein hörbares Luft-durch-die Nase-ziehen bereue ich sofort. Die Erklärung kommt postwendend (und immer noch charmant), man könne aus sicherheitstechnischen Gründen die Fenster leider nicht öffnen. Ich bin zu früh, der Raum ist leer. Wo ist der Lichtschalter?

Ich weiß, dass oft nicht viel Zeit bleibt um Räume für die nächste Veranstaltung herzurichten. Ich biete meine Unterstützung an und frage nach den Tafeltüchern. „Herr Kugel, das ist sehr freundlich von Ihnen, aber nicht notwendig. Der Raum wird nach Ihrem Vortrag in nächster Zeit nicht gebraucht. Wir lassen den Tisch so wie er ist“. Ein großer Block mitten im Raum an dem bequem 30 Personen Platz haben. Endlich haben wir Licht im Raum. Mein Blick wird vom Molton angezogen, eine für den Gast unsichtbare Unterlage unterm Tischtuch. Das dicke, saugstarke und rutschfeste Baumwollflies weist unzähligen Flecken, Ränder und Verfärbungen auf, welche davon zeugen, dass Flüssigkeiten verschiedenster Natur seit längerem darin versickern.

Die Frage, was ich denn jetzt noch benötigen würde, verblüfft mich. Das Übliche, wie Leinwand, Beamer, Flipchart, Stifte war verabredet. Nichts von dem steht parat. „Ich lasse Sie mal kurz alleine, und werde mich um die Dinge kümmern“. Nach und nach kommt die Technik in den Raum. Strom? Verlängerungskabel? Das sind die nächsten Herausforderungen. Die ersten Mitarbeiter treffen ein. Einige der netten, gutaussehenden Damen und Herren sind mir in der Halle bereist aufgefallen. Jetzt fehlen nur noch die Getränke. „Die sind schon unterwegs“ bekomme ich zu hören. Da sind sie auch schon. Kleine Flaschen Cola und Zitronenlimonade und Kaffeekannen werden auf einem Wagen in den Raum geschoben. „Herr Kugel, Sie bedienen sich bitte“, so die Aufforderung meiner freundlichen Begleitperson. Gerne, aber woraus? Oh, da fehlt ja noch was und flugs stehen dann auch Becher bereit.

Ich konnte nicht fassen was sich gerade vor meinen Augen abspielte. Schmutziger Tisch, keine Gläser, keine Tassen. Trinken aus der Flasche, Kaffee aus dem Pappbecher, Löffel? - Fehlanzeige.

Mein Vortrag lief gut, just in time, Applaus, ein paar Fragen noch schnell beantworten, fertig. Nach kurzer Zeit saß ich mit dem Direktor für Mitarbeiter- Qualifikation und seiner netten Assistentin alleine im Raum. Die Feedbackrunde war eingeläutet. „Und, Herr Kugel, wie war es für Sie“? Ich sah in zwei freundlich lächelnde Gesichter und wusste nicht, was ich sagen sollte. Weil ich mir nicht klar darüber war, wie ich es sagen sollte.

Ehrlich währt am längsten! Ich bin authentisch und glaubwürdig wenn ich Ich selbst bleibe. So erzählte ich, dass ich selbst viele Jahre in der Hotellerie gearbeitet hatte. Von meiner Aufregung dieses ehrwürdige Haus zu betreten. Von meiner Begeisterung perfekte Gastgeber zu erleben und der gefolgten Erleichterung, dass beim „Blick hinter die Kulissen“ auch hier nur mit Wasser gekocht wird. Mit dieser Aussage löste ich Stirnrunzeln bei meinen Gesprächspartnern aus. Den Ausdruck in ihren Gesichtern interpretierte ich so, dass jetzt eine weitere Erklärung folgen muss. Emotional legte sich im selben Moment eine Schlinge um meinen Hals. Wie komme ich aus dieser Situation salonfähig raus? Oder besser, erst gar nicht hinein.

Gefühlt war ich mit einem Zeitsprung in die Vergangenheit gereist und war längst einer von den Mitarbeitern. Die Jahre meiner gastronomischen Tätigkeit habe ich niemals vergessen. Ich erinnere mich gerne an diese besondere Zeit. Die schönsten Momente erlebt man mit den Kollegen im Personalraum. Optisch sind diese Räume – selbst in der Luxusklasse – nicht besonders attraktiv. In der Regel eher schmucklos, nüchtern bis lieblos gehalten. Meist verqualmt, schmuddelig und renovierungsbedürftig. Ein triftiger Grund, warum hier Gäste keinen Zutritt haben. Dieses Seminar hätte ebenso in einem solchen Personalraum stattfinden können.

Wie kann Wertschätzung für den Gast wirklich gelebt werden, wenn die eigenen Mitarbeiter in stickiger Atmosphäre aus dem Pappbecher trinken? Die 15 Kaffeetassen würden bei dem täglich anfallenden Volumen an Geschirr in der Spülküche gar nicht auffallen. Wenn hier mit so gegensätzlichem Maß gemessen wird, kann Respekt füreinander nicht authentisch gelebt werden.

Erst dachte ich „versteckte Kamera" – ich werde getestet, ob mir als Trainer diese Missstände auffallen und wie ich damit umgehe. Dass ich mich hier gewaltig irrte, bemerkte ich spätesten an den Gesichtsausdrücken der beiden von der Qualitätssicherung. Ertappt?! Das hat ihnen wohl nicht gefallen. Ich war nie wieder dort.

5. Impuls-Letter für 2014

Wo bin ich?

Neulich habe ich ein öffentliches Konzert in den Räumen meiner Hausbank besucht. Das Geldinstitut stellte dafür ihre Schalterhalle zur Verfügung, war jedoch nicht Ausrichter der Veranstaltung.

Wir trafen uns mit Freunden. Alles war stimmig. Die Räumlichkeit, die netten Gespräche, die kleinen Snacks, der Wein und natürlich die Musik. Dennoch haben wir uns „fremdgeschämt". Nicht wenige Besucher waren, nach unserer Ansicht, dem Anlass entsprechend unpassend angezogen. Verwaschene, verrissene Jeans mit Hemd aus der Hose, barfuß in Sandalen, Schlabber-Shirts über Leggins, eine kurze Hose, wie auch ein freier Bauchnabel waren ebenfalls zu sehen.

Vom Theater bin ich es gewohnt, dass kaum noch jemand mit Smoking und Abendkleid eine Premiere besucht. Früher sprach man von einem respektvollen Publikum, wenn der Aufzug dem besonderen Anlass geschultert wurde. Respekt gegenüber den Leistungen der Künstler und Musiker, die ihr ganzes Können unter körperlichem Einsatz bringen. Nun hat ein gelockerter Dresscode auch Vorteile. Zumindest lassen sich wieder mehr junge Menschen blicken und sorgen für ein volles Haus, was mir letztendlich lieber ist (und dem Theater sicher auch).

Dennoch ist es erschreckend, mit wie wenig Gespür Menschen offensichtlich das Haus verlassen, ohne darüber nachzudenken, an welchem Ort sie sein werden. Ich möchte nun keineswegs den Eindruck erwecken, dass ich selbst stets wie aus dem „Ei gepellt" herumlaufe. „Wo bin ich?" und „Wem stehe ich gegenüber?" sind jedoch die zwei Fragen, die man sich selbst jeden Tag beantworten sollte – und zwar bevor man den Kleiderschrank öffnet.

Eine private Einladung zu Freunden in den Garten lässt sicher einen legeren Dresscode zu. Ob das für ein Konzert in einem Bankhaus im gleichen Maße gilt, darf sich jeder selbst beantworten. Bin ich als private Person in privater oder familiärer Umgebung oder bin ich als Privatperson im öffentlichen Raum?

Am Arbeitsplatz kommt neben dem „Wo bin ich? " und „Wem stehe ich gegenüber? " noch eine dritte, ebenso wichtige Frage hinzu: „Was möchte (muss) ich erreichen?" Wir sind Teil eines Unternehmens und nicht in privater Umgebung. Genau das müssen Kunden, Vorgesetzte und Kollegen sehen können. Somit tauschen Sie auch im Hochsommer nicht Pumps gegen Flipflops oder Bluse gegen ein Spaghetti-Top. Ihr Bizeps bleibt, ebenso wie Ihre Beine bedeckt. Das hat nicht nur mit Respekt zu tun. Es schadet auch ihrem Ansehen und ihrer Kompetenz.

4. Impuls-Letter für 2014 

Qualität lohnt sich

Im Januar waren meine Frau und ich zum Essen eingeladen. Ein nachträgliches Gänseessen, weil sich vor Weihnachten kein geeigneter Termin mehr fand.

Als Gastgeschenk hatten wir, neben den obligatorischen Blumen, eine große Packung edler Pralinen mitgebracht.

Vor Kurzem trafen wir uns anlässlich meines Geburtstages wieder, wie jedes Jahr lud ich zu einem Umtrunk ein. Beim Überreichen des Geschenks kam mir das Geschenkpapier bekannt vor und sagte noch ganz unbedarft: „Welche Überraschung, wir haben das glei......" und schon bekam ich einen kleinen, jedoch unmissverständlichen Schupps von meiner Frau.

Vielleicht kennen Sie diese Art von Schuppse. Einen „halt-jetzt-bloß-die-Klappe-Schupps".

Beim Auspacken am nächsten Tag war's dann klar. Unsere Pralinen sind zu uns zurückgekehrt. "Die Moral von der Geschicht', verschenk nie, was Du nicht selber isst". Schade nur, dass der sehr persönliche Gruß, den wir vor Monaten dem Päckchen beigelegt hatten, unentdeckt geblieben ist. Zum Glück waren wir es selbst, die den Gruß zurück bekamen und nicht noch eine dritte Person in die Sache mit hineingezogen wurde. So bleibt diese Peinlichkeit im Rahmen.

Lustig fanden wir's dennoch.

Dass so manche Pralinen und Bücher auf Wanderschaft gehen hat man ja schon gehört, dass uns das passiert, hätten wir nicht gedacht. Wir haben so gelacht. Der Freundschaft hat diese Gedankenlosigkeit nicht geschadet. Menschen, die sich nicht so nahe stehen, könnten diese anders (be)werten.

 

3. Impuls-Letter für 2014

Überlegter Verzicht

Seit Monaten liegt auf meinem Schreibtisch ein Heft, das mir immer wieder in die Hände fällt. Ich kann es einfach nicht in den Papierkorb werfen. Es ist eine Ausgabe von „Authentisch Leben", ein Brief von Ilona und Rainer Wälde, den ich 4 x im Jahr erhalte. Ich kenne Rainer Wälde persönlich. Er hat ein besonderes Gespür für Menschen und das, was in unserer Gesellschaft passiert. Er schreibt über etwas, was mich besonders bewegt. Es geht um die Frage: Ein Jahr ohne Zeitschriften – geht das? „Medien-Fasten" nennt er das und hat alle Zeitschriften  abbestellt. Seit Januar verzichtet er auf Politik- und Kulturmagazine, Pressedienste auf Newsletter, Film-Gazetten und Kirchenblättchen. Er möchte herausfinden, was ihm tatsächlich fehlen wird. Er erwartet, dass er zur Ruhe kommt und sich auf wesentlichere Dinge konzentrieren kann, z. B. auf Begegnungen mit Menschen – ohne Ablenkung.

Mich erinnert seine Aktion an etwas, was ich vor etwa 2 Jahren begonnen habe. Bei mir ging es allerdings um die Handy-Nutzung. Ich habe meine Mailbox deaktiviert und bin zu verschiedenen Anlässen und Terminen bewusst offline. In geschäftlichen Terminen ist es ohnehin ausgeschaltet. Das empfiehlt sich auch im Kino und im Theater.  Zum Stammtisch oder in den Club gehe ich ohne Telefon. Auf dem Fahrrad, im Freibad, in der Therme und auf Spaziergängen mit dem Hund bin ich freiwillig „ohne Netzt".

Immer wenn ich mit jemandem darüber gesprochen habe, wurde ich gewarnt. Gewarnt vor wirtschaftlichem Schaden, dass man es sich doch nicht erlauben könne, zudem würde man Wichtiges verpassen, und was ist wenn mir unterwegs etwas zustößt? Ich nehme es vorweg. Es ist bislang nichts passiert, ich habe nichts verpasst, ich bin nicht dümmer und nicht vernachlässigt. Auch habe ich keinen Kunden und keinen Umsatz verloren. Die wichtigen Dinge haben mich immer erreicht.

Zuspruch und auch ein bisschen Neid bekam ich hauptsächlich in beruflichen Begegnungen. Im gehobenen Management z. B. spricht man vom „Neuen Luxus" mal nicht erreichbar sein zu müssen.

Ich weiß nicht, ob ich seither ruhiger lebe. Manches ist aber anders. In der Theaterpause kann ich mit Menschen über das erlebte sprechen und brauche nicht verstohlen in der Ecke nach verpassten Anrufen recherchieren. Meine Frau weiß meist wo ich mit wem bin und kennt die Nummer unter der man mich dann erreichen würde. Sorgloser gehe ich mit meinem Sohn zum schwimmen weil sich der Wert in der Tasche nur noch auf Handtücher und ein Kleingeld beschränkt. Meine Freunde sind immer noch meine Freunde und meine Kunden wissen, dass ich verlässlich zurückrufe. Außerdem gibt es noch Fax, Email, einen geschäftlichen sowie privaten Festnetzt-Anschluss.

Kürzlich habe ich mich aus Whats App ausgeklinkt. Meine Frau hat sich mir angeschlossen. Gestern sagte sie: „Unglaublich, wie ruhig es auf meinem Handy geworden ist. Das ständige piepsen ist weg, ich muss nicht dauernd drauf kucken und kann am Stück an einer Arbeit dranbleiben". Auf meine Frage wie's geht, sagte sie: „Alles gut, was wichtig ist kommt wieder per SMS".

Ich bin gespannt was Rainer Wälde über seine Aktion zu berichten weiß. Wer mal schauen möchte, er hat einen Block unter www.rainerwaelde.de. Wer möchte kann sich auch seinen „Brief" abonnieren unter www.authentisch-leben.de

2. Impuls-Letter für das Jahr 2014

Ist ein Unternehmen ohne Werte wertlos?

In einer US Studie* sind 9.000 Mitarbeiter zum Thema Unternehmenswerte befragt worden. 99% der Befragten haben beobachtet wie Kollegen von Führungskräften rüpelhaft angegangen oder ungehörig behandelt wurden.

Die Untersuchung beschäftigte sich damit, inwieweit eine mangelnde Sozialkompetenz auf die Arbeitsleistung Auswirkung hat. Nachfolgend die Eckdaten aus einem komplexen Ergebnis:

  • 94% der Betroffenen nehmen Rache am Vorgesetzten
  • 88% schädigen die Firma
  • 48% reduzieren ihre Arbeitsleistung/Motivation
  • 47% reduzieren ihre Arbeitszeit
  • 38% leisten keine Qualitätsarbeit mehr

Inwieweit diese erschreckenden Erkenntnisse auf Deutschland übertragbar sind, lässt sich gegenwärtig nicht sagen. Wir wissen aber aus anderen Erhebungen, dass Mitarbeiter das Lob ihrer Vorgesetzten vermissen. Sie quälen sich zur Arbeit und zählen dienstags bereits die Tage bis endlich Wochenende ist.

So ergeht es fast jedem 4. Arbeitnehmer hierzulande, festgestellt durch das Gallup-Institut in einer Umfrage 2013. Demnach haben bereist 24% der Arbeitnehmer innerlich gekündigt. Ganze 61% machen "Dienst nach Vorschrift", ihre Bindung an den Arbeitgeber ist entsprechend gering. Der volkswirtschaft-liche Schaden durch die fehlende Motivation beziffert Gallup auf ca. 100 Milliarden Euro pro Jahr.

Die meisten Führungskräfte kennen ihre Ziele, wie diese festgelegt, eingefordert und kontroliert werden, jedoch nicht die Wertebasis der Unternehmen. Viele haben auch keine Werte. Eine fehlende Orientierung wirkt sich negativ auf Unternehmeserfolge aus.

Die erfolgreichsten Unternehmen beschäftigen sich nämlich seit Jahren nicht nur mit einer Wertekultur. Sie kümmern sich auch um ihre Mitarbeiter ebenso intensiv wie um ihre Kunden und Produkte.

Unternehmen verlieren demnach in Zukunft massiv an Wert, auch weil der demographische Wandel zusammen mit dem Fachkräftemangel das Thema weiter verschärfen wird.

Mich bestärkt dies in meinem Handeln, Führungskräfte dahingehend zu unterstützen, Werte zu finden oder bestehende Wert zu erhalten. 

Wertschätzung zahlt sich aus! Sie kennen sicher das Sprichwort: „Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken".

*US-Management-Professorinnen Christine Porath und Christine Pearson von der University of Southern California/Los Angeles und der Thunderbird School of Global Management/Arizona.

1. Impuls-Letter für das Jahr 2014

Wir machen Urlaub und erleben nichts!

Stellen wir uns so einen Urlaub - in dem wir nichts erleben - einmal vor. Sicher wäre dieser Sachverhalt ein Grund für viele, bei Ihrem Reiseveranstalter zu reklamieren und über eine Regressforderung nachzudenken. Was für die Menschen im antiken Griechenland am meisten wertgeschätzt wurde, nämlich Nichts zu tun und sich der Muße hinzugeben, scheint heute undenkbar zu sein. Nicht um die Arbeit, um die Muße drehte sich in der Antike alles. Das Wort für Arbeit war übersetzt „Nichtmuße". Dies erklärt die Wertschätzung der Muße. Darum musste man sich auch nicht erklären, wenn man irgendwo nur saß und nichts tat.

Erklärungsbedürftig war dagegen, wenn man arbeitete. (Kritische Anmerkung aus heutiger Sicht: Sicher durch eine Sklavenwirtschaft begünstigt). Stellen wir uns vor wir verschwenden kostbare Freizeit: „Wir waren auf Reisen und haben nichts erlebt!" Die Menschen in der Antike hielten dieses „Nichts" selbst für ein Erlebnis. Stellen wir uns vor: „Wir sind mal ohne Stress, sind wir noch wichtig?" Welches Wort hätte man wohl in der Antike für Stress gehabt?

Sehen wir einmal vom essentiellen „erledigen Müssen" ab, entsteht häufig viel Stress auch durch viel Unsinn. Mir begegnen sogar gelegentlich Leute, die mit Ihrer „ach-ich-bin-ja-so-im-Stress"-Botschaft eher auf der Suche nach der Wertigkeit der eigenen Bedeutsamkeit zu sein scheinen. Wie wenn es peinlich wäre, davon zu erzählen, dass man nicht genug um die Ohren hat. Wo hört man denn mal jemanden sagen, dass man einen ganzen Tag einfach nur so mit Nichts verbummelt hat?

Mein Jahresmotto für 2014 ist „Gelassenheit". Und zwar mit dem Blick auf die Muße.

Die Fähigkeit zur Muße bedeutet, einmal eine gewisse Langeweile gelassen aushalten zu können. Muße ist keine passive Zeit. Alle Sinne sind wach und aufnahmebereit für das Schöne in der Welt. Die Gedanken schweifen ziellos, keinesfalls zwecklos dahin. Erfinderisch, lustvoll oder absichtslos kreativ. Ein Moment von Erkenntnis ohne Interesse. Muße ist kostbar, ein Erleben von Glück, Heil und vielleicht auch Sinn des Lebens. Der griechische Philosoph Aristoteles hat schon gesagt: „In der Muße scheint das Glück zu liegen. Es gehört denen, die sich selber genügen".

Vielleicht kann ich mit meinem Motto für dieses Jahr auch bei anderen etwas auslösen. Zumindest zum darüber Nachdenken anregen. Somit wünsche ich viel Muße. Auf ein gutes Jahr.

Am Ammersee mit Blick übers rug´hige Wasser in die Alpen

Blick auf Ammersee mit Steghaus und Schwänen

Wie lange wünscht man sich ein „Frohes Neues“?

Haben Sie sich auch schon gefragt, wie lange man sich ein „Frohes Neues" zum Gruß am Jahresanfang wünscht. Oder gehören Sie vielleicht zu denen, die sich bereits in der zweiten Woche des noch jungen Jahres genervt zeigen?

Im Allgemeinen ist der 6. Januar der Stichtag. Bis zu diesem Tag gilt der Neujahrgruß als angemessen. In einigen Regionen ist dieser Tag ein gesetzlicher Feiertag. Schulferien sind in den allermeisten Ländern ebenso die Regel. So ist es nicht ungewöhnlich, dass man in der Zeit vom „Neujahrstag" bis zu „Heilige drei Könige" kaum einen Menschen trifft, dem man ein gutes, neues Jahr wünschen könnte.

In Hessen zum Beispiel startet die Schule sogar erst wieder am 13. Januar. Spätestens dann darf man davon ausgehen, dass die letzten aus den Winterferien zurück sind, zur Arbeit gehen und wieder am öffentlichen Leben teilnehmen. Wenn einem dann nicht gleich alle lieben Menschen über den Weg laufen, ist es durchaus denkbar, das ein Neujahrsgruß auch noch ein bis zwei Wochen später erfolgen kann. Seien Sie also gelassen und unterstellen Sie „gute Absichten". Sie sollten diesen Gruß jedoch selbst nicht überstrapazieren. Je weiter der Januar fortschreitet, um so nerviger ist die Floskel „alles Gute im neuen Jahr".

Wichtig: Statt einer Floskel sollte ein ernst gemeinter Wunsch dahinter stecken. Machen Sie sich also Gedanken, wie wertvoll Ihnen eine Person ist. Liegt Ihnen ein Mensch ganz besonders am Herzen, bedarf es ohnehin kein Datum im Kalender. Gute Wünsche – ehrlich gemeint, haben das ganze Jahr Saison.

Impuls-Letter 2 zum Jahreswechsel 2013/2014

Tipps für die Silvester-Party

Party oder Ball? Silvester ist das Fest für eine spezielle Garderobe, ausgelassene Stimmung und eine gute Gelegenheit fürs Tanzen. Damit alle Spaß haben, nachfolgend einige Tipps.

Kleidung
Je "öffentlicher" und "offiziell", desto formaler die Kleidung. Ist in der Einladung ein Bekleidungsvermerk, sollten Sie diesem folgen. Wenn Sie sich unsicher sind, dann dürfen Sie auch beim Gastgeber/Veranstalter nachfragen wie festlich, schick oder glamourös es sein darf. Bälle sind immer formeller als Partys. Hier ist der Dresscode besonders wichtig und einzuhalten.

Wie pünktlich ist pünktlich?
Wenn Sie in einer Einladung "ab 21:00h" lesen, ist es nicht „um" und deshalb dürfen Sie auch später kommen. Wenigstens 30 Minuten vor Mitternacht sollten Sie dann da sein. Pünktliches Erscheinen ist wichtig, wenn: Sie zum Essen erwartet werden, eine offizielle Rede stattfindet, Sie persönlich mit Namen in der Begrüßung vorkommen oder Programmpunkte vorgesehen sind, die Sie nicht verpassen sollen. Wenn Sie bei solchen offiziellen Anlässen zu spät kommen, könnten Sie die anwesenden Gäste stören. Peinlich wird's dann, wenn feste Plätze für Sie reserviert sind und alle Gäste bereits sitzen wenn Sie ankommen. Lesen Sie den Code in der Einladung richtig: Beginn: 20 Uhr S.T. (sine tempore) heißt Pünktlichkeit auf die Minute. Steht: Beginn: 20 Uhr C.T. (cum tempore) ist das „akademische Viertel" noch o.k.

„Darf ich bitten?"...
...ist die klassische Tanz-Aufforderung auf dem Ball. „Sie gestatten" ist altmodisch und erst den Tischherrn zu fragen – nicht nur antiquiert, sondern heute völlig daneben! Je jünger das Publikum, desto lockerer wird es zugehen. Die einfache Frage: „Möchten Sie tanzen" passt am besten. Zur aktuellen Disco- und Popmusik ist das alleine tanzen selbstverständlich. Wenn es über eine offizielle Ansage zur Damen- oder Herrenwahl kommt, nehmen Sie an. Sie lehnen nur ab, wenn Sie einen guten Grund dazu haben (weil Sie sich vielleicht ausruhen müssen). Zeigen Sie dabei Fingerspitzengefühl und folgen Sie nicht unmittelbar einer anderen Aufforderung. Nicht vergessen!: Egal auf welchem Fest Sie sind: Der erste Tanz gehört immer dem/der eigenen Partner(in). Absolut Stillos: Gläser und Zigaretten gehören nicht auf die Tanzfläche.

Sekt oder Selters?
Jeder kann - keiner muss. Wer Alkoholfrei bleiben möchte muss auch an Silvester keinen Alkohol trinken. Beim Zuprosten wird niemand ausgeschlossen. Alle Getränke sind erlaubt.

Wo immer Sie in dieser Nacht feiern. Ich wünsche Ihnen viel Spaß. Auf ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2014.

Impuls-Letter 1 für den 24.12.2013

Fröhliche Weihnachten - und wenn Sie Ihr Geschenk am Heiligabend scheußlich finden?

Sie finden Krawatten doof, das Hemd hat die falsche Farbe und Socken haben Sie ohnehin zuviel. SOS (Schlips, Oberhemd, Socken) ist nicht nur die allerletzte Idee, sondern steht hier wirklich für HILFE! Muss ich "Schauspielern" und so tun, als würde ich mich freuen wenn mir etwas nicht gefällt? Wie sag ich's, wenn ein Geschenk total daneben liegt und man nicht Lügen will?

CD's die man schon hat, Wein, der einem nicht schmeckt oder irgendwelchen Nippes den man nicht ausstehen kann. Müssen Sie sich trotzdem freuen?

Wieviel Wahrheit verträgt die Freundschaft?
Grundsätzlich unterstellen Sie erst einmal, dass der Schenker sich nicht nur Gedanken, sondern auch Mühe gemacht hat. Er hat investiert und zwar in Geld und Zeit. Das darf dann in jedem Fall gewürdigt werden. Bevor Sie Luft holen, überlegen Sie als erstes wie viel Ehrlichkeit Ihr Gegenüber verträgt und dass Sie sich im Ton nicht vergreifen. Tun Sie alles, damit der Schenker sein Gesicht nicht verliert und sagen Sie nichts verletzendes. Verzichten Sie aber auch auf übertriebenen Dank wenn Sie's nicht wirklich ernst meinen. Freuen Sie sich aber über die gute Absicht und dass überhaupt an Sie gedacht wurde. Genau dies dürfen Sie dann auch so aussprechen (dann müssen Sie sich nicht unbedingt aufs Geschenk selber einlassen). Und wenn Sie das Buch bereits gelesen haben, können Sie ja auch charmant mit einem Augenzwinkern davon sprechen, wie spannend sie es fanden. So ist dem Schenker klar, dass er zumindest Ihren Geschmack gut getroffen hat. Das wäre eine gute Basis um über einen etwaigen Umtausch zu sprechen. 

 
 






unternehmensWert: Mensch

         Michael Kugel, Erfolgsfaktor Persönlichkeit & Verhalten, Moderne Umgansformen, Soziale Kompetenz, Knigge, Ess- & Tischkultur, Weinwissen finden Sie auf Semigator.de