„Man soll nie vergessen,
dass die Gesellschaft lieber unterhalten als unterrichtet sein will.“

Adolph Freiherr von Knigge


Knigge ist ein Instrument zur Verständlichmachung von
Ursachen und Wirkungen im Zwischenmenschlichen.

10 Jahre Deutscher Knigge-Rat


Knigge Rat zieht kritische Zwischenbilanz: Schweinegrippe sorgt für Auflage, Trauer und Handicap interessieren nur wenige



Deutscher Knigge-Rat feierte sein 10jähriges Jubiläum in der Villa Hammerschmidt in Bonn.

Autor: Rainer Wälde

Limburg. Vor 10 Jahren sind sie angetreten, um eine Renaissance von Werten in die Öffentlichkeit zu tragen: Nun ziehen die 15 Mitglieder des Deutschen Knigge Rats eine kritische Bilanz: Welche Empfehlungen für einen wertschätzenden Umgang in unserer Gesellschaft wurden wirklich ernst genommen?

Zur Jubiläumsfeier in der Villa Hammerschmidt, dem Sitz des Bundespräsidenten in Bonn waren auch die Gründungsmitglieder angereist, die bereits im Oktober 2005 bei der ersten Sitzung in Limburg anwesend waren. Sie vertreten die wichtigsten gesellschaftsrelevanten Gruppen und arbeiten ehrenamtlich und unabhängig. Ihr gemeinsames Ziel: Sie wollen im schnellen Wandel der Zeit einheitliche Empfehlungen für den deutschsprachigen Raum entwickeln: Wie zeigen wir einander Respekt? Welche Umgangsformen sind noch zeitgemäß? Was ist überholt?

Für die beiden Vorsitzenden Agnes Jarosch (Stuttgart) und Rainer Wälde (Limburg), die den Rat initiiert haben, fällt die Bilanz eher nüchtern aus. Bei aktuellen Medienthemen wie Fußballweltmeisterschaft oder Schweinegrippe ist es dem Gremium gelungen, mit seinen Empfehlungen bundesweit in den Medien Gehör zu finden. Zum Teil heftig diskutiert wurden die Thesen des Knigge-Rats zu den sozialen Netzwerken und der Datensicherheit. Hier hatte die NSA-Abhöraffäre um das Handy der Bundeskanzlerin eine öffentliche Debatte ausgelöst.

Enttäuschend war dagegen das Echo auf den „Schüler-Knigge“, der mit Pädagogen detailliert ausgearbeitet wurde. Obwohl im Vorfeld Eltern und auch Ausbildungsbetriebe darauf hingewiesen hatten, war das mediale Echo mehr als bescheiden. Ähnliche Erfahrungen beobachtete der Knigge-Rat auch bei den Empfehlungen zu „Trauer und Schicksalsschlägen“, die gemeinsam mit Theologen entwickelt wurden. Obwohl täglich tausende von Menschen damit konfrontiert sind, scheint das Thema den Medien nicht „sexy“ genug. Das Gleiche gilt auch für den „Handicap-Knigge“ zum respektvollen Umgang mit behinderten Menschen. Wenig Interesse, obwohl die Integration zu den zentralen Themen unserer Gesellschaft zählt.

Beim Jubiläum in Bonn überlegten die Ratsmitglieder gemeinsam, wie sie mit der aktuellen Flüchtlingswelle umgehen, welche konkreten Empfehlungen hier möglich sind. In den kommenden Sitzungen sollen zwei Themenbereiche diskutiert werden: Wie begegnen wir der Angst in der Bevölkerung vor Überfremdung? Wie begleiten wir die Flüchtlinge beim Start in der deutschen Kultur?

Die aktuellen Empfehlungen des Deutschen Knigge Rats werden online veröffentlicht:
http://knigge-rat.de

 
05.10.2015