Impulse

Impuls-Letter Januar 2021

Jahresmotto

Auch für 2021 haben meine Frau und ich uns ein Motto überlegt, welches uns ein Jahr lang begleiten soll.
Für 2021 wünschen wir Ihnen, wie gwohnt mit eigenem Text und Fotos, aufrichtigen Zusammenhalt.

Impuls-Letter April 2020

„Corona“ stellt unseren Alltag auf den Kopf

Jonathan Lösel und ich sind die Vorsitzenden des Deutschen Knigge-Rats. Derzeit werden wir oft von Medienvertretern gefragt, was wir vom Knigge-Rat zur gegenwärtigen Krise zu sagen haben. Da schon viel zu viel an Tipps und „neuen Regeln“ gesagt wurde, wollen wir nicht noch die Empfehlung XY zum Besten geben.

Manches ist so logisch, dass es keine Kommentare bedarf.

So hat Jonathan einen ganz anderen Ansatz entwickelt, in dem er sagte: Stellt man die Zahl 6 auf den Kopf, erhält man eine 9. Um diese Zahl wiederum richtig sehen zu können, muss man sich selbst auf den Kopf stellen.

Krisen verändern das Gewohnte.

Es heißt, sie bergen Chancen und veranlassen uns dazu unsere Sichtweise zu verändern, manchmal um 180°.

Wollen wir den wertschätzenden Umgang mit unseren Mitmenschen auch in der aktuellen Situation unterstreichen, empfiehlt sich vor allem beim Thema Händeschütteln eine Herangehensweise, die, unter Beibehaltung der ursprünglichen Werte dieser Alltags-Geste und der Vorgaben und Empfehlungen seitens der Regierung und der Medizin, genau entgegengesetzt abläuft.

Wo liegt der Ursprung?

Da früher, bis auf wenige Menschen, niemand lesen und schreiben konnte, wurde alles, was die Menschen über Jahrtausende vereinbarten, jeder Vertrag, jeder Handel, mit einem Handschlag besiegelt. In unserer europäischen Kultur wurde der Handschlag zum Symbol für Verbindlichkeit und Verlässlichkeit. „Gib die Hand darauf!“, kann man immer noch oft hören.

Historisch betrachtet ist ein Händedruck auch der „Gruß zur Ehre“. Die mittelalterliche Gesellschaft kannte klare Begrüßungsregeln. Der Gruß mit Händedruck galt als Zeichen der Ehrerbietung und gab dem Gegenüber einen gewissen Grad an Sicherheit. Die Hand, welche zum Gruß gereicht wurde, konnte nicht gleichzeitig zur Waffe greifen.

Des Weiteren wird Nähe gezeigt, da sich bei einem Handschlag zwei Menschen automatisch in die persönliche Distanzzone begeben. Diese Nähe wird häufig als besondere Wertschätzung empfunden, da im Handschlag auch eine gewisse Beziehungspflege steckt.

Die 180°-Wende

Die Grundmotivation war also Ehre und Sicherheit, Nähe und Wertschätzung, aber auch Verlässlichkeit. Übertragen wir dies auf unser Verhalten in der aktuellen Corona-Situation, kann man seinem Gegenüber ein Gefühl von Sicherheit geben, indem eben nicht die Hand gereicht wird, auf der sich eventuell übertragbare Viren befinden könnten.

Ins Gegenteil übertragen sagen wir aktuell: Wer Sorge für die Gesundheit eines anderen Menschen trägt, bleibt auf Distanz (damit keine Ansteckungsgefahr von einem selbst ausgeht). Genau dadurch wird im Augenblick Wertschätzung und Sicherheit vermittelt.

Die Ehrerbietung kann in diesen Tagen auch auf Distanz erfolgen. Wir kommen niemandem zu nahe, überrennen keinen und halten uns an die staatlich empfohlenen Gesundheitsmaßnahmen. Das Eintreten in persönliche Distanzzonen und das gewohnte Händeschütteln ist in der aktuellen Situation eher mit Angst verbunden und kann als respektlos empfunden werden.

Unsere Empfehlung lautet daher: Bleiben Sie mit Abstand vor Ihrem Gegenüber stehen, begrüßen ihn verbal, schauen ihm in die Augen und schenken ihm dabei wie gewohnt ein freundliches Lächeln.
Irgendwann wird die Corona-Zeit vorüber sein. Wäre es nicht schön, wenn wir dieser, leider häufig zur Floskel verkommenen Geste, dann vom ursprünglichen Gedanken her wieder mehr NachDRUCK verleihen und Aufmerksamkeit schenken können?

Bleiben Sie gesund
Ihre
Vorsitzenden des Deutschen Knigge-Rats
Jonathan Lösel und Michael Kugel

Impuls-Letter Februar 2020

„Je mehr ich poste, desto schlechter fühle ich mich“

Diese Überschrift habe ich im Zeit Magazin (Ausgabe 7.11.2019) gelesen und kam darüber auf ein Interview mit der Londonerin Olivia Sudjic, die mit ihrem Buch „Sympathie“ einen Schlüsselroman für die Millennials, also der- und diejenigen, die in den frühen 1980ern bis späten 1990er Jahren geboren wurden, geschrieben hat.

In ihrem Roman geht es darum, wie das Internet die Psyche der Menschen verändert. Ich, Mitte 50, habe das Interview verschlungen. Ich fand es spannend, faszinierend habe aber auch ein mulmiges Gefühl bekommen und kann nun gut verstehen, warum es nötig ist, auf Instagram zwei Identitäten zu haben.

Bedingungsloses Vertrauen

ist die Basis. Dabei wurde die Technologie, sprich soziale Netzwerke und Apps entwickelt, um uns zu manipulieren. Olivia Sudjic vergleicht die Mechanismen mit einer Spielhölle. Facebook existiert nicht als Zeitvertreib. Es ist dazu gemacht, dem Nutzer Daten zu rauben und weiterzuverkaufen.

Im Interview, wohl als Vorgeschmack auf „Sympathie“, schildert Frau Sudjic wie die Entscheidungen, die wir online treffen, uns verändern. Wie die Daten, die wir hochladen, auf unser Selbstbild wirken. Das „Internet“ gibt vor, uns zu kennen. In Wahrheit sind wir ein Haufen gesammelter Daten woraus Algorithmen ein Bild von uns und unseren angeblichen Bedürfnissen ableiten. O. Sudjic gibt als Beispiel, warum wir ein bestimmtes Buch kaufen oder wo wir den nächsten Urlaub verbringen sollen.

Viele Menschen scheinen nicht darüber nachzudenken, dass bestimmte Vorschläge deshalb gemacht werden, weil dieses Buch auch meinen Freunden gefällt. Und wenn mögliche Urlaubsorte als Geheimtipp empfohlen sind, muss man sich nicht wundern, wenn dies auch 100.000 andere denken.

Bunte OstereierGroßartige Vielfalt, bunt und schön anzusehen, in Wahrheit doch immer das Gleiche.

Als Knigge Trainer weiß ich, dass unsere Identität auch durch unsere Herkunft und unser kulturelles Umfeld bestimmt ist. Durch Olivia Sudjic ist mir aber auch bewusst geworden, dass Zufälle in unserem Leben ebenso wichtig sein können. Wir stellen uns vor, dass wir in einem Buchladen herumstöbern und völlig unerwartet auf etwas gestoßen werden, dass uns einen neuen Impuls oder neuen Weg weist. Das Gleiche passiert, wenn ich unterschiedliche Zeitungen lese und mich nicht nur auf ein und denselben Kanal konzentriere (den auch alle anderen in meinem sozialen Umfeld konsumieren). Mich traue, einfach einmal dahingehe, wo ich niemanden kenne.

Olivia Sudjic macht deutlich, dass es um einen Mechanismus geht. Weil mir bestimmte Dinge im Netz gefallen haben, werden mir auf dieser Grundlage automatisch andere Dinge angeboten. Alles geschieht scheinbar folgerichtig und lässt keinen Platz für Irrtümer oder Veränderungen. Das einzige, was ich nicht wahrnehme, ist, dass der Raum um mich herum sich nicht entwickelt, schon gar nicht weiterentwickelt oder vergrößert, sondern schrumpft.

Frau Sudjic spricht auch darüber, dass viele Menschen Bücher aufgrund von Amazon-Ratings kaufen. Doch wer macht sich darüber Gedanken, wie diese Ratings zustande kommen? Ein Rating kann auch davon abhängig sein, ob ein Buch pünktlich geliefert wurde oder in einem zerrissenen Umschlag ankam. Wenn also jemand aufgrund einer verspäteten Zustellung ein beschädigtes Exemplar erhält und schreibt deshalb eine schlechte Beurteilung, beeinflusst diese Stimme das Rating. Dies sagt jedoch nichts darüber aus, ob das Buch gut oder schlecht ist. Ich gebe Frau Sudjic recht. Das ist grauenhaft!

Ein weiterer Aspekt ist, dass sich auf Nutzerebene die Grenzen zwischen realer und manipulierter Welt auflösen. Die Bilder, Filme, Nachrichten, alles was wir aus dem Internet konsumieren ist eine riesige Assemblage, eine Collage unterschiedlicher Reize, die unser Gehirn gleichzeitig verarbeiten muss. Die Nachricht vom Terroranschlag in Hanau steht – zusammen mit der Geburt eines Babys eines Freundes, dem wöchentlichen Schulblatt oder dem Newsletter zum neuen Weinjahrgang – auf dem gleichen Rang.
Wir können so kaum noch die wichtigen, relevanten Dinge von dem Unwichtigen unterscheiden.

Ein bisschen setze ich auch die unsäglichen Meldungen über das neue Corona-Virus auf diese Stufe. Je mehr Medien immer wieder die gleichen Bilder zeigen, je schneller irgendwo eine angebliche Infizierung (wie die in Thüringen) gemeldet wird (und sich im Nachhinein nicht bestätigte), umso mehr verfallen Menschen in Angst, mit dem Ergebnis von leeren Supermarktregalen durch Hamsterkäufen. Wenn Cent Artikel wie zum Beispiel ein Mundschutz zu astronomischen Preisen verkauft werden, denkt keiner mehr darüber nach, dass dieser angebliche Schutz nichts anderes als Kosmetik ist.

In diesem Sinne erhoffe ich mir mit diesem Impuls wieder mehr zu hinterfragen und sich wieder auf sich selbst zu verlassen. Wir können das. Unser Körper, unsere Sinne haben es in unserer gesamten Entwicklung zum Menschen gelernt. Wir müssen uns nur trauen, das Smartphone auch mal zur zu Seite legen.

Impuls-Letter Januar 2020

Jahresmotto

Auch für 2020 haben meine Frau und ich uns überlegt, was uns ein Jahr lang leiten soll.
Die Texte, in diesem Jahr auch das Zitat, stammen wie gewohnt aus eigener Feder, wie auch die entsprechenden Fotos.
Nun möchten wir Sie an unserem Jahresmotto teilhaben lassen.
Für 2020 wünschen wir Ihnen viele, schöne gastfreundschaftliche Momente.

Impulse Jahresmotto 2020

Gastfreundschaft

Gastfreundschaft ist eine Haltung. Sie bedient unsere Urbedürfnisse von Essen und Trinken mit Stabilität und kommunikativen Aspekten wie Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Liebe. Nichts verbindet Menschen mehr wie ein Fest und ein gemeinsames Essen.

Gastfreundschaft ist interkulturell unsere größte Gemeinsamkeit und bis in die entlegensten Winkel der Erde entwickelt. Ob Hochkultur oder Naturvolk, zu jeder Zeit war es ein Ritual für Status, Macht und Gesten. Jedoch auch die menschliche Kraft zur Beziehungspflege, Sicherheit und Schutz.

Gastrecht und Gastpflicht sind wie Brückenköpfe. In ihnen ruht die Verantwortung. Sie geben Halt und Vertrauen. Sie nährten sich einst aus den christlichen Werten Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Gastfreundschaft ist die Basis für das Grundrecht auf Asyl.

Gastfreundschaft ist stets in Bewegung wie ein Fluss. Sie zeigt sich mal tiefgründig, mal mitreißend, mal flach und nach der nächsten Wendung erwacht die Neugier aufs Neue. Wie ein Strom durchbricht sie Barrieren und verbindet Gesellschaften in allen Kulturen.

Gastfreundschaft ist Aufwand, ein Kraftakt und doch keine Last. Es macht Freude, weil viel mehr bleibt als nur ein Moment. Wer sich darauf einlässt, erfährt einen Wandel vom Ich zum Wir. Gastfreundschaft verdient höchsten Respekt.